Zitronenbaum züchten – Zitrone aus Samen/Stecklingen richtig vermehren

Zitronenbaum selbst züchten

Um Ihren schönsten Zitronenbaum zu vermehren, bedarf es lediglich ein wenig Geduld und einer fundierten Anleitung. Das mediterrane Blütengehölz mit den säuerlichen Früchten können Sie auf mannigfaltigen Wegen ziehen. Die natürlichste Option ist die Aussaat der Samen. Weitere Methoden nutzen Stecklinge oder Absenker, um daraus eine prächtige Zitrone zu züchten. Dieser grüne Leitfaden erläutert den gesamten Ablauf im Detail.

Anzuchtsubstrat

Unabhängig von der gewählten Vorgehensweise, leistet die Qualität der Anzuchterde einen entscheidenden Beitrag für die angestrebte Wurzelbildung. Reine Zitruserde für adulte Pflanze ist zu nährstoffreich, um einen Zitronenbaum zu vermehren. Damit sich Sämlinge und Ableger um ein vitales Wurzelwachstum bemühen, sollte das Substrat mager, locker und strukturstabil beschaffen sein.

Bestens bewährt in der Praxis haben sich die folgenden Varianten:

  • Torf-freies und ungedüngtes Kokosfasersubstrat
  • Mix aus 2 Teilen Laubkompost, 1 Teil kalkfreier Sand und 1 Teil Torf

Beim Erwerb handelsüblicher Anzuchterde achten Sie bitte auf eine kalkarme Zusammensetzung mit einem leicht sauren pH-Wert zwischen 5 und 6. Um Ihren Vorrat an Zitruserde für die Anzucht zu nutzen, magern Sie das Substrat mit kalkfreiem Quarzsand, feinkörnigem Lavagranulat oder Seramis ab im Verhältnis 2:1. Damit die Anzucht- und Aussaaterde tatsächlich keimfrei ist, stellen Sie das Substrat für 20 Minuten bei 150 Grad in den Backofen. Schneller geht die Sterilisierung in der Mikrowelle innerhalb von 2 Minuten bei 600 Watt.

gelbe Zitronenfrucht am Zitronenbaum

Aussaat

Aussaat von Zitronenkernen

Als Saatgut können Sie die Kerne einer vollreifen Frucht von Ihrem Zitronenbaum oder aus dem Bio-Laden verwenden. Je frischer die Zitrone, desto keimfreudiger sind die Samen. Da die Sämlinge schon früh tief reichende Pfahlwurzeln bilden, nehmen Sie als Saatgefäße hohe 13-er Töpfe. Beim Züchten eines Zitronenbaums aus Kernen ist mit einer Ausfallquote von mehr als 50 Prozent zu rechnen. Daher empfehlen wir die Aussaat möglichst vieler Samen. Die üblichen Provisorien, wie Eierkartons oder Joghurtbecher sind nicht geeignet, um darin einen Zitronenbaum zu züchten. Über der Bodenöffnung legen Sie eine gewölbte Tonscherbe als Schutz vor Staunässe.

In diesen Schritten verfahren Sie weiter:

  • die Kerne erst kurz vor der Verwendung aus dem Fruchtfleisch entfernen und abspülen
  • das sterilisierte und abgekühlte Substrat über der Drainage in den Topf füllen
  • die frischen Kerne im Abstand von 3 cm auf die Erde legen und andrücken
  • mit Erde dünn übersieben
  • nochmals andrücken für einen guten Bodenschluss
  • befeuchten mit feiner Brause aus Regenwasser oder entkalktem Leitungswasser

Eine Kombination aus leicht feuchtem Substrat sowie Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius versetzt die Samen am hellen Standort in Keimlaune. In einem beheizbaren Mini-Gewächshaus findet das Saatgut ideale Bedingungen vor. Alternativ konstruieren Sie das Mini-Treibhaus mit einfachen Mitteln selbst. Zu diesem Zweck füllen Sie in einen größeren Übertopf eine 4 cm hohe Schicht aus Blähton ein. Darauf platzieren Sie den Anzuchttopf mit den Zitronenkernen. Nach dem Angießen stellen Sie das Ganze in eine transparente Plastiktüte, die Sie mit einem Clip verschließen. Mit diesem Kniff generieren Sie das vorteilhafte feucht-warme Mikroklima, das wichtig ist für den erfolgreichen Verlauf.

Vorbehandlung

Vorbehandlung verkürzt die Keimzeit

In der Pflanzenwelt sind die Kerne in Früchten mit einer Keimhemmung ausgestattet. Mithilfe einer wasserundurchlässigen und harten Samenschale beugt Mutter Natur einer Keimung zum ungeeigneten Zeitpunkt vor. Erst wenn die Kerne mit Wärme und feuchter Erde in Berührung kommen, wird der Prozess in Gang gesetzt. Unter den Bedingungen auf der Fensterbank kann dies 6 bis 12 Monate oder noch länger dauern. Die folgende Vorbehandlung macht die Schale eines Zitronenkerns porös, sodass Wärme und Feuchtigkeit zügiger auf den Embryo einwirken.

  • einen abgespülten und trockenen Kern mit Schmirgelpapier aufrauen
  • alternativ die harte Schale mit einer feinen Feile bearbeiten
  • das Saatgut in eine Thermoskanne füllen und mit warmem Wasser übergießen
  • für 24 Stunden vorquellen lassen
  • größere Kerne für 48 Stunden einweichen

Zitronenbaum lässt sich mit etwas Geduld vermehren

Wem das Aufrauen der Samenschale zu aufwändig und nervenaufreibend ist, weicht die Hülle mit Kaliumnitrat auf. Kaliumnitrat ist auch bekannt unter der Bezeichnung Salpeter und findet unter anderem als Düngerzusatz oder in der Konservierung von Lebensmitteln Anwendung. Das natürliche Salz ist in Apotheken und Drogerien als Offenware erhältlich. Da es gut wasserlöslich ist, stellen Sie damit eine 0,2-prozentige Lösung problemlos her. Darin weichen Sie die harten Zitronenkerne für 24 Stunden ein, um sie danach abzuspülen und sogleich auszusäen. Dank dieser Vorbehandlung wird nicht nur die Keimhemmung durchbrochen, sondern zugleich die Ausfallquote deutlich reduziert.

Pflege

Pflegen und pikieren

Infolge der empfohlenen Vorbehandlung nimmt die Keimung zwischen 2 und 4 Wochen in Anspruch. Lüften Sie Mini-Gewächshaus respektive Plastiktüte täglich und kontrollieren den Feuchtigkeitsgehalt der Erde. Leicht feucht sollte sie sein und keinesfalls nass. Dünger wird in dieser Phase nicht verabreicht. Haben sich die Sämlinge so gut entwickelt, dass jeder von ihnen über 2 Keimblättchen und mindestens 2 weitere Blattpaare verfügt, treten Sie in die nächste Phase ein, um aus Kernen einen Zitronenbaum zu züchten.

So pikieren Sie einen Keimling richtig:

  • einen ausreichend großen und hohen Kübel füllen mit Zitruserde
  • zuvor aus Blähton eine 3 bis 4 cm hohe Drainage anlegen über dem Wasserablauf
  • mit einem Holz- oder Pikierstab das Pflanzloch im Substrat vorbohren

Nehmen Sie nunmehr einen Löffel oder den Pikierstab zur Hand, um den Zitronenbaum-Jüngling aus der Anzuchterde zu heben, ohne am Trieb zu ziehen. Setzen Sie ihn in das vorbereitete Pflanzloch bis knapp unterhalb der Keimblätter ein. Drücken Sie das Substrat an und gießen mit weichem Wasser. Am warmen, sonnigen Fensterplatz beschränkt sich die Pflege im ersten Jahr auf regelmäßiges Gießen mit kalkfreiem Wasser.

Entgegen landläufiger Meinung verfügen die Wildlinge, die Sie aus Kernen ziehen durchaus über das Potenzial einer Blüten- und Fruchtbildung. Bis dahin dauert es freilich zwischen 5 und 10 Jahre. In der Zwischenzeit erfreut das mediterrane Ziergehölz aus eigener Zucht mit einem immergrünen Blätterkleid.

Zitronenbaumstämmchen im Substrat

Vermehren

Vermehrung durch Stecklinge

Die generative Vermehrung durch Aussaat von Samen birgt stets das Risiko, dass Ihnen das Ergebnis nicht gefällt. Niemand kann vorhersagen, welche Eigenschaften der Eltern- und Großelternpflanzen sich im jungen Zitronenbaum durchsetzen werden. Indem Sie die Zitrone durch Stecklinge vermehren, gehen Sie diesem Ratespiel aus dem Weg. Im Rahmen der vegetativen Vermehrung züchten Sie Jungpflanzen, die über nahezu identische Attribute ihrer Mutterpflanze verfügen. Obschon es sich dennoch um Wildlinge handelt, dürfen Sie sich innerhalb weniger Jahre über die ersten Zitronen freuen. Diese sind zwar deutlich kleiner, als die Früchte veredelter Zitronen, was ihren dekorativen Wert freilich kaum schmälert.

Vorbereitungsarbeiten

Die beste Zeit für die Entnahme von Stecklingen aus der Krone Ihres Zitronenbaumes ist während der Sommermonate zwischen Juni und September. Zu dieser Zeit pulsiert das pflanzliche Leben bis in die Spitzen der Zweige, wovon die Vitalität der Kopfstecklinge profitiert. Da sich eine Zitrone als immergrüne Pflanze zu keiner Jahreszeit in vollkommener Saftruhe befindet, ist die Stecklings-Methode jederzeit durchführbar. Die folgenden Vorbereitungsarbeiten stellen die Weichen für ein gutes Gelingen.

  • einjährige, nicht blühende oder fruchtende Kopfstecklinge mit einer Länge von 10 bis 15 cm abschneiden
  • den Schnitt knapp unterhalb eines schlafenden Auges ansetzen
  • jeden Steckling entlauben bis auf das obere Blattpaa
  • die Schnittstelle in Bewurzelungspulver tauchen

Legen Sie die präparierten Ableger zur Seite, um die Anzuchttöpfe vorzubereiten. Für jeden Steckling sollte ein 13-er Kunststoff-Topf zur Verfügung stehen, damit für die Wurzelbildung genügend Raum zur Verfügung steht. Die Bodenöffnung wird bedeckt mit Tonscherben als Vorbeugung gegen Staunässe. Darüber füllen Sie die empfohlene Anzuchterde ein bis 2 cm unterhalb vom Topfrand. Der kleine Freiraum erfüllt den Zweck, als Gießrand ein Überschwappen von Wasser und Substrat zu verhindern.

Einpflanzen und pflegen

Setzen Sie einen Steckling zu zwei Drittel seiner Länge in die angefeuchtete Anzuchterde. Um die empfindlichen Kapillaren an der Schnittstelle zu schützen, bohren Sie das Pflanzloch vor. Wichtig zu beachten ist, dass sich mindestens 3 bis 4 Triebansätze (Blattknoten) innerhalb der Erde befinden.

So pflegen Sie die Ableger bis zur Bewurzelung:

  • am halbschattigen, warmen Standort aufstellen
  • eine transparente Haube überstülpen, wie eine Glasschüssel oder eine Plastiktüte
  • das Substrat regelmäßig mit weichem Wasser befeuchten
  • die Abdeckung täglich lüften, damit sich kein Schimmel entwickelt

Wenn Sie einen Zitronenbaum aus Stecklingen züchten, nimmt die Bewurzelung zwischen 6 und 8 Wochen in Anspruch. Treibt ein frisches Blatt an der Spitze aus, verläuft der Prozess wunschgemäß. Die Abdeckung können Sie nunmehr entfernen. Ein halbschattiger Standort sollte zunächst noch beibehalten werden, damit die Stecklinge nicht austrocknen. Erst wenn ein junger Zitronenbaum seinen Topf vollständig durchwurzelt hat, wird er umgetopft in einen größeren Kübel mit nährstoffreicher Zitruserde. Ab diesem Zeitpunkt mündet die Anzucht in das normale Pflegeprotokoll für eine adulte Zitrone.

Vermehren durch Absenker

Absenker dienen als unkomplizierte und erfolgversprechende Methode, einen Zitronenbaum zu züchten. Der Vorteil dieser Vorgehensweise beruht vornehmlich darin, dass der Ableger bis zur Bildung eines eigenen Wurzelsystems mit der Mutterpflanze verbunden bleibt. Erst dann erfolgt die Trennung. Das Ergebnis ist eine vitale Jungpflanze, die innerhalb weniger Jahre blüht und fruchtet.

So machen Sie es richtig:

  • einen 13er oder 14er Kunststoff-Topf füllen mit Anzuchterde über einer Drainage
  • neben dem Zitronenbaum aufstellen
  • aus dem äußeren Kronenbereich einen halb verholzten, einjährigen Trieb auf das Substrat ziehen
  • den Berührungsbereich zwischen Zweig und Erde entlauben
  • mit einem Rasiermesser in dieser Region die Rinde minimal anritzen
  • den entlaubten und verwundeten Triebteil mit Substrat bedecken und einem Stein beschweren

grüne Zitronenfrucht am Zitronenbaum

Stecken Sie einen Pflanzstab in den Topf, um die Triebspitze des Absenkers daran anzubinden. Mit weichem Wasser gießen Sie die Erde an. Während die Mutterpflanze den Ableger weiterhin mit Nährstoffen versorgt, halten Sie das Substrat konstant leicht feucht. Innerhalb weniger Monate sprießen frische Wurzeln aus dem eingegrabenen Abschnitt des Absenkers. Gedeihen neue Blätter an der fixierten Triebspitze, schreitet die Bewurzelung zügig voran. Wenn Sie nach 2 bis 4 Monaten auf leichten Zug hin einen deutlichen Widerstand spüren, ist der Prozess abgeschlossen. Jetzt können Mutterpflanze und Ableger getrennt werden.

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