Amselgesang - Titel

Amseln gelten als die bekanntesten Singvögel. Fangen sie jedoch zu schimpfen an, verwandelt sich der melodiöse Gesang in ein Geräusch, das oft unerträglich ist.

Auf den Punkt gebracht

  • Amselgesang klingt für den Menschen melodiös
  • Hauptzeiten des Gesangs sind in der Morgendämmerung und am Abend (März bis Mitte Juli)
  • Mit Tixen und Zetern warnen die Vögel vor Feinden

Amseln

Die Amsel, auch Schwarzdrosseln genannt, ist eine Vogelart aus der Familie der Drosseln. Die Körperlänge von Turdus merula, so der wissenschaftliche Name der Amsel, liegt zwischen 24 und 27 Zentimetern. Die Männchen haben schwarze Federn und einen gelben Schnabel. Das Weibchen trägt ein braunes bis graues Federkleid. Der Schnabel hat eine helle hornfarbene Färbung.

Amsel
Amsel

Lautäußerungen von Amseln

Bei den Lautäußerungen von Schwarzdrosseln wird zwischen dem Amselgesang, dem Zetern und dem „Tixen“ unterschieden:

  • Amselgesang
  • Zum Amselgesang gehören
  • Reviergesang der Männchen
  • Herbstgesang älterer Männchen
  • Balzgesang
  • Nestbaugesang
  • Brütegesang
  • Jugendgesang beider Geschlechter
  • Rufe der Weibchen

Reviergesang

Die bekannteste Stimme im Vogelkonzert ist der laut vorgetragene Reviergesang der Männchen. Dieser ist zwar angeboren, jedoch übernehmen die Amselmännchen Elemente des Vaters, anderer Männchen oder Vögel, wie zum Beispiel deren Meisenlaute. In Siedlungsgebieten werden auch Zivilisationsgeräusche, wie Sirenen von Rettungsfahrzeugen, in den Reviergesang aufgenommen. Die charakteristischen Merkmale des Reviergesangs sind:

  • einzelne Strophen mit einer durchschnittlichen Länge von gut zwei Sekunden
  • dazwischen Pausen von durchschnittlich drei Sekunden, abends etwas länger
  • Dauer: 20 bis 30 Minuten

Die Strophen bestehen aus dem Motivteil und einem zwitschernden, geräuschhaften „Anhängsel“, das aber auch fehlen kann. Der Motivteil ist folgendermaßen aufgebaut:

  • Kombination von zwei bis fünf Elementen, selten bis zu neun
  • Pausen zwischen den Elementen: 0,2 Sekunden (für das menschliche Ohr hörbar)
  • Repertoire von bis zu 30 Motiven
  • zwei bis fünf Lieblingsmotive
  • Identifikation einer einzelnen Amsel anhand der Lieblingsmotive möglich

Hinweis: Der Reviergesang des Amselmännchens wird oft mit Tönen einer Flöte verglichen.

Amselgesang

Eine Besonderheit des Reviergesangs ist der Kontergesang. Dabei antworten zwei benachbarte Männchen jeweils auf die Strophe des anderen. Dabei werden Motive des anderen aufgenommen und „antworten“ in vergleichbarer Länge und oft mit einer ähnlichen Strophe vorgetragen.

Auftreten des Reviergesangs

In Mitteleuropa können Sie den Reviergesang in den folgenden Monaten regelmäßig hören:

  • erstes Auftreten bereits im Frühjahr
  • in der Regel Beginn Mitte März
  • Höhepunkt zwischen Mai und Juni
  • Ende: Mitte Juli

Hinweis: In Siedlungsgebieten soll der Reviergesang auch im Herbst und an milden Wintertagen zu hören sein.

Hinsichtlich der Tageszeiten gehören Schwarzdrosseln zu den Frühaufstehern. Denn der Reviergesang beginnt bereits vor der Morgendämmerung. Die zweite intensive Gesangsphase ist am Abend. In Siedlungsgebieten sollen Amseln auch in der Nacht singen.

Herbstgesang älterer Männchen

Der Herbstgesang älterer Männchen beginnt nach der Brutzeit. Er ähnelt dem Reviergesang, ist aber deutlich leiser. Außerdem ist der Schnabel der Schwarzdrosseln entweder ganz geschlossen oder nur leicht geöffnet.

Balzgesang

Der Balzgesang des Amselmännchens besteht aus:

  • zweistimmigen Lauten in willkürlicher Aneinanderreihung
  • Motiven oder Motivteilen in halblauten Tönen

Hinweis: Beim Balzgesang fliegen paarungsbereite Männchen in Richtung eines Weibchens.

Nestbaugesang

Während das Weibchen Nistmaterial sammelt, sitzt das Männchen daneben, schaut zu und singt dabei halblaut. Fliegt das Weibchen zum Nest, folgt er ihr. Treten beim Anflug auf das Nest Störungen auf, hört das Männchen auf zu singen. Daraufhin meidet das Weibchen das Nest und sucht Deckung.

Brutzeit von Amseln

Brütegesang

Beim Brütegesang sitzt das Männchen wie beim Reviergesang auf einer exponierten Singwarte, von welcher aus er das Nest sehen kann. Treten Störungen oder eine Gefahr auf, fliegt das Männchen als Warnung für das Weibchen am Nest vorbei.

Jugendgesang

Der Jugendgesang von Schwarzdrosseln ist Männchen und Weibchen angeboren. Er setzt ab dem 19. Tag ein. Den Jugendgesang, der an den Herbstgesang erinnert, erkennen Sie an folgenden äußeren Merkmalen:

  • Kehle, Körper und Schwanz vibrieren
  • leicht geöffneter oder geschlossener Schnabel

Rufe der Weibchen

Amselweibchen singen deutlich seltener als die Männchen. Ihr Gesang ist gedämpfter, besteht jedoch wie jener der Amselmännchen aus Strophen. Zu hören ist der weibliche Amselgesang beispielsweise beim Anflug auf das Nest. Er kann aber auch durch den Gesang des Männchens angeregt werden. Die Bereitschaft zur Paarung signalisieren Amselweibchen durch sehr leise und hohe Laute, die zusammenhangslos sind und gepresst klingen.

Tixen und Zetern

Während sich der Amselgesang für das menschliche Ohr melodiös anhört, werden Tixen und Zetern eher als störend empfunden. Das typische Merkmal von Tixen ist eine Abfolge schneller, scharfer Laute. Die Steigerung ist das Zetern. Es tritt auf, wenn die Vögel besonders aufgeregt sind. Dabei können sie mit einer Lautstärke von bis zu 56 Dezibel „schimpfen“. Was sich für das menschliche Ohr wie ein Gezeter anhört, hat für Amseln jedoch wichtige Funktionen:

Amselgesang kann duch Zetern der Vögel auch unangenehm werden
  • Vertreiben von Feinden oder Konkurrenten
  • Warnruf vor Elstern oder Katzen

Hinweis: Mit dem Tixen werden Artgenossen auch zum Mitmachen animiert, um gemeinschaftlich den Feind zu vertreiben. Denn zeternde Amseln flüchten nicht.

Ist die Gefahr vorbei, stellen die Vögel ihre Warnrufe wieder ein. Die kann jedoch eine ganze Weile dauern. Liegt zum Beispiel eine Katze auf dem Balkon in der Sonne, tixen und zetern Amseln solange, bis die Katze wieder in der Wohnung verschwindet.

Häufig gestellte Fragen

Kann das laute Schimpfen von Amseln dem Menschen schaden?

Die Lautstärke, die Menschen krank machen kann, beginnt bei 65 Dezibel, wenn der Mensch diesem Lärm dauerhaft ausgesetzt ist. Mit 56 Dezibel beim Schimpfen liegt die Amsel deutlich unter diesem Lautstärkepegel. Allerdings kann andauerndes Gezeter sehr aufreibend sein.

Was kann ich gegen das nervige Schimpfen tun?

Da das Gezeter der Warnung anderer Artgenossen und dem Vertreiben von Feinden gilt, können Sie gegen dieses nichts machen.

Was bedeutet der Ausdruck „Amseln hassen“?

Mit „hassen“ ist das (gemeinschaftliche) Vertreiben von Feinden gemeint.