Baumschnitt versiegeln: 7 Hausmittel für den Wundverschluss | Baumwachs

Baumschnitt versiegeln

Ob Nutzpflanze oder reines Ziergehölz, Bäume und Sträucher fordern dem versierten Hobbygärtner einiges an Aufwand für die Pflege ab. Einen großen Anteil daran hat der Astschnitt, dem viele Baumbesitzer aus unterschiedlichen Gründen mit großem Respekt begegnen. Ein Grund dafür ist der Wundverschluss der gekappten Äste. Hier erfahren Sie sieben praktische Hausmittel, mit denen Sie offene Schnittwunden an Gehölzen einfach verschließen können, ohne dabei auf chemische Präparate zurückgreifen zu müssen.

Wundverschluss

Notwendig oder nicht?

Noch vor wenigen Jahrzehnten und sogar Jahren war es unter Hobbygärtnern und Baumpflegern unstrittig, dass man die Schnittstellen nach dem Baumschnitt versiegeln muss. Immer! Mittlerweile hat sich diese Ansicht auf Grundlage der Forschungsergebnisse des amerikanischen Forstwissenschaftlers Alex Shigo zumindest teilweise geändert. Durch unzählige Untersuchungen und Versuche durch die gezielte Verletzung von Bäumen weiß man heute, dass die Wundheilung und der Wundverschluss bei Bäumen und Sträuchern ungleich anders ablaufen, als bei Menschen und Tieren. Wo bei uns Menschen ein Pflaster die Neubildung von Zellen fördert, ist sie bei Bäumen oft wirkungslos oder gar nachteilig.

Die früher verwendeten, meist luftdichten Versiegelungen unterbanden Pilzbefall und Bakterien eben gerade nicht, sondern beförderten diese eigentlich zu unterdrückenden Effekte zusätzlich.

Heute weiß man, dass die Selbstheilungskräfte selbst bei intensiven Arbeiten am Baum völlig ausreichen, um einen fachgerechten Baumschnitt zu verkraften und ohne Folgeschäden zu gesunden.

Baumschnitt in Herzform

Notwendigkeit

Wann macht der Wundverschluss tatsächlich Sinn?

Warum befasst man sich dann überhaupt noch mit dem Thema Wundverschluss, wenn man heute darauf verzichtet? Obwohl im Normalfall eine Selbstheilung in ausreichendem Maße gegeben ist, bestehen verschiedene Szenarien, bei denen ein Wundverschluss Sinn macht:

  • Unsachgemäße Schnitttechnik
  • Falscher Schnittzeitpunkt
  • Großflächige Baumwunden durch Rindenverletzungen

Falsche Schnitttechnik

In erster Linie zählen hierzu ungeeignete oder stumpfe Schnittwerkzeuge. Diese erstellen keinen glatten Schnitt mit möglichst geringen Schnittflächen, sondern führen zu Zerfaserungen der Leitungsbahnen im Holz. Diese kann der Baum schwer heilen, sodass in Folge ein weit größerer Anteil des eigentlich gesunden Holzes abstirbt.

Falscher Schnittzeitpunkt

Erfolgt der Baumschnitt während der Wachstumsphase der Pflanze, führen die Leitungsbahnen hohe Mengen an Wasser und Nährstoffen, die ausbluten können. Allerdings stellt diese hohe Nährstoffversorgung eine optimale Voraussetzung dar, damit der Baum seine Wunde selbst verschließen kann. Jedoch ist der optimale Schnittzeitpunkt für viele Formschnitte außerhalb dieser Phase, nämlich im Herbst oder Winter. In dieser Zeit fehlen dem Baum die Möglichkeiten der schnellen Wundversiegelung. In Folge dringt Kälte langfristig in das Holz ein, während auf gleichem Wege Feuchtigkeit entweicht. Ohne Unterstützung durch den Hobbygärtner folgen Erfrierungen und Austrocknungen. Beim Astschnitt im Winter sollten Hilfsmaßnahmen daher zwingend unternommen werden.

Baumschnitt mit Astschere

Rindenverletzungen

Ein besonderes Schadensbild liegt bei großflächigen Verletzungen der Baumrinde vor. Meist entstehen diese durch Reibung, beispielsweise beim Streifen eines Fahrzeugs, oder beim Fällen benachbarter Bäume. Hier liegen um den Schadbereich großflächige Zerstörungsbereiche vor. Sowohl das Fehlen glatter Schnittkanten, als auch die Größe des Schadbereichs führen hierbei zu einem Verletzungsbild, das durch den Baum kaum zu bewältigen ist. Bei diesem Sonderfall werden lediglich die zerfaserten Bastränder entlang des Wundrands mit einem scharfen Werkzeug glatt abgetrennt und als einzelne Verletzung versorgt. Die eigentliche Fehlstelle an sich bedarf dagegen keines Verschlusses. Da das frei liegende Kernholz ohnehin „tot“ ist, ist ein Schutz vor Absterben nicht nötig.

7 Hausmittel

Wenn Wundversiegelung, dann so

Liegt tatsächlich ein Fall vor, in dem man die Baumwunden versiegeln sollte, liegt der Griff zu vorgefertigten Produkten aus dem Gartencenter nahe. Allerdings muss das nicht sein. Viele dieser Produkte kosten in erster Linie Geld, lassen darüber hinaus aber auch häufig offen, auf welchem Wege die Wundversorgung – luftdicht oder atmungsaktiv, wasserdicht oder nicht etc. – erfolgt. Eine Abschätzung der Wirksamkeit und Eignung ist somit für den Hobbygärtner nicht möglich. Daher bieten sich als sinnvolle und bewährte Alternative diese Hausmittel an:

1. Lehmpackungen

  • bei verletzter Borke
  • Lehmpackung verhindert Austrocknung bis Selbstheilungskräfte zum Wundabschluss ausreichen
  • Rinden- und Borkenverletzung großflächig mit nassem Lehm bestreichen
  • Lehmpackung dicht mit schwarzer Folie abdecken
  • Ränder idealerweise abkleben
  • Alle 10 Tage Folie und Lehm entfernen und Wunde für etwa eine halbe Stunde atmen lassen
  • Anschließend Lehmpackung erneuern
  • Mit einsetzender Wachstumsperiode Lehm und Folie entfernen, Wundheilung erfolgt durch Selbstheilungskräfte

Hinweis: Folie nie am Baum festnageln oder -tackern, um neue Wunden zu vermeiden!

2. Bienen- oder Baumwachs

  • Gut geeignet bei winterlichem Schnitt wegen guter Schutzwirkung gegen Kälte und Austrocknung (Luftdicht!)
  • Baumwachs aufstreichen, Kerzenwachs aus brennender Kerze aufträufeln
  • Regelmäßig auf Risse im spröden Verschluss untersuchen, da Angriffs-punkt für Bakterien und Pilze
  • Bei Bedarf Versiegelung in Stand setzen oder erneuern

Hinweis: Wachs ist bei Rindenverletzungen nicht geeignet, da Wachs das Austrocknen der Borke fördert!

3. Lehm mit Kuhmist

  • Gut geeignet für winterlichen Schutz
  • Lehm und Kuhmist bzw. Kuhfladen im Verhältnis 2:1 mischen und aufstreichen, zur Optimierung kann Steinmehl beigegeben werden
  • Gute Atmungsaktivität, somit geringe Gefahr von Fäulnis
  • Guter Schutz gegen Kälte und Austrocknung
  • Unterstützende Nährstoffzufuhr aus dem Kuhdung
  • Entfernung nicht erforderlich, da mit der Zeit von selbst abbauend

4. Holzkohlepulver

  • Bei sommerlichem Schnitt gut geeignet wegen austrocknender Wirkung bei nässenden Schnittverletzungen
  • Atmungsaktiv, unterstützt damit die Zellenneubildung im Holzgewebe
  • Desinfizierende Wirkung, daher gut als Infektionsschutz geeignet
  • Herstellung durch Zerkleinerung von Holzkohle im Mörser, einer Mühle oder einer Tüte mit dem Hammer
  • Wunde mit dem Pulver bestreuen und anschließend mit den Fingern andrücken

Hinweis: Nur bei trockenem Wetter anwendbar, da das Holzkohlepulver von Regen abgewaschen wird!

5. Baumteer

  • Geeignet bei Ästen mit einem Durchmesser von ca. einer Armdicke
  • diffusionsoffen und zugleich wasserabweisend
  • Zusammensetzung aus natürlichen Bestandteilen des Baumes, vor allem Harze und Öle
  • Durch Versiegelung optimale Umgebungsbedingungen für die Selbstheilung des Holzes: Schutz vor UV-Licht, gegen Austrocknung, sowie gegen Bakterien und Pilze
  • Trocknungszeit auf der Baumwunde rund zwei Wochen, in dieser Zeit hohe Anfälligkeit für Auswaschung durch Regen, oder Aufbrechen durch Insekten und andere Tiere

Hinweis: Die Eigengewinnung von Baumteer ist aufwändig und mit der Freisetzung schädlicher Dämpfe verbunden. Eine Schutzausstattung ist zwingend erforderlich. Hier empfiehlt sich der Erwerb von naturbelassenem und unverändertem Baumteer aus dem Fachhandel.

6. Dispersionsfarbe

  • Füllende, bindende und porenverschließende Eigenschaften
  • Zugleich hohe Atmungsaktivität
  • Gut geeignet für großflächige Schnitte, beispielsweise im unmittelbaren Stammbereich
  • Fördert die Abtrocknung der Wunden, ohne Austrocknung des Holzes Vorschub zu leisten
  • Guter Schutz gegen das Eindringen von Bakterien und Pilzen
  • Kein Schutz gegen Kälte (Bsp. Winterlicher Astschnitt)

Hinweis: Die Behandlung von Schnittverletzungen mit Dispersionsfarbe darf nicht mit dem bekannten, vor allem früher gängigen Kalken der Bäume gegen eine zu hohe Aufheizung, sowie Insektenbefall, verwechselt werden. Auch wenn Dispersionsfarbe atmungsaktive Eigenschaften hat, sollte sie nicht zum vollflächigen Abdecken ganzer Stammbereiche herangezogen werden, sondern ausschließlich auf die Verletzung beschränkt bleiben!

7. Kuhmist mit Kalk und Wasser

  • Gut für Wundversiegelung im winterlichen Baumschnitt geeignet
  • Guter Schutz gegen Kälte durch Kuhmist, hohe Lichtreflektion durch Kalk, in Folge optimale Rissprävention durch winterlichen Wechsel von kalten Temperaturen und intensiver Sonneneinstrahlung
  • Herstellung: 2 kg gelöschten Kalk mit 10 l Wasser mischen und 1 kg Kuhmist oder Kuhfladen beifügen
  • Alternative zum Kuhmist: Tapetenkleister oder Lehm, dann halbe Menge verwenden

Harz an Astschnitt

Hinweis: Wird an Stelle von Kuhmist auf Tapetenkleister zurückgegriffen, ist der winterliche Kälteschutz weniger gut, da dem Kleister faserige Inhaltsstoffe als „Wärmedämmung“ fehlen. Im Allgemeinen lassen sich Wunden jedoch auch dann optimal versiegeln.

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