Chlorgehalt im Pool zu hoch: so reagieren Sie richtig

Pool

Ein Pool ist heute kein Prestigeobjekt für gehobene Wohnlagen mehr, sondern bereichert zahlreiche Wohngrundstücke um einen echten freizeittechnischen Mehrwert. Durch die gestiegene Zahl der privaten Pools ist auch die zugehörige Technik heute simpel und selbst für Laien gut handhabbar. Dennoch kann es im Einzelfall vorkommen, dass der Chlorgehalt im Pool zu hoch ist. Was dann zu tun ist, erläutern wir im Folgenden leicht verständlich und einfach nachvollziehbar.

Zu viel Chlor im Pool

Bevor man sich daranmacht, einen zu hohen Chlorgehalt im Pool zu senken, sollte man feststellen, wie das überschüssige Chlor überhaupt in das Wasser gelangen konnte. Andernfalls mag es sein, dass alle Bemühungen höchstens temporären Erfolg zeigen und immer wieder wiederholt werden müssen. Häufige Ursachen für eine Überchlorierung sind folgende:

  • Überdosierung von Hand durchgeführter Chlorierungen, z.B. durch Rechen- oder Messfehler
  • Fehlerhafte Funktion automatischer Dosieranlagen, z.B. in Mess- oder Regeltechnik
  • Falscher Wasser-pH-Wert, in Folge Überdosierung durch schlechte Wirksamkeit des Chlors

Hat man die Ursache erkannt, lässt sie sich beheben und ein erneuter Anstieg des Chlorgehalts im Pool nach der Einregelung auf den Soll-Wert vermeiden.

Chor Menge im Pool messen

Chlorgehalt im Pool senken

Um den Chlorgehalt wirksam zu senken, bestehen verschiedene Ansätze und Möglichkeiten. Je geringer die Überdosierung ausfällt, umso einfacher lässt sie sich auf den gewünschten Wert senken.

1. Chlorzugabe stoppen oder reduzieren

Zuallererst sollte verhindert werden, dass weiteres Chlor in den Pool gelangt und den Wert zusätzlich erhöht. Bei händischer Chlorierung wird die Zugabe des Chlorpräparats schlicht unterlassen. Nutzen Sie technische Lösungen sollten Sie die Chlorierungsanlage abschalten, oder das Chlorpräparat aus dem Geber entfernen. Bei sehr geringen Überschreitungen des Soll-Wertes kann es aber auch schon ausreichen, die Dosierung zu reduzieren. So fällt das spätere Einregeln auf ein vernünftiges Niveau einfacher, als bei einem völligen Neubeginn der Chlorgaben.

2. Neutralisierung des Chlors bei geringen bis mäßigen Überdosierungen

Bei geringen bis mäßigen Überdosierungen kommt man meist ohne chemische Chlorsenker aus. Um den Chlorgehalt zu senken, bieten sich folgende Möglichkeiten:

  • Warten – Neutralisierung der Überdosierung durch natürliche Zersetzung des Chlors
  • Abdeckungen etc. entfernen – Förderung und Beschleunigung der Chlorzersetzung durch UV-Strahlung der Sonne
  • Schwimmen – Poolnutzung trägt zum Chlorabbau bei
  • Poolwasser tauschen – anteiliger Austausch von stark chlorhaltigem Beckenwasser gegen Frischwasser, Anteil des Tauschwassers abhängig vom Wert der Überdosierung

Achtung: Im Pool schwimmen sollte man zur Chlorreduzierung nur dann, wenn die Überschreitung im verträglichen Rahmen liegt! Exakte Grenzwerte dafür existieren nicht, allerdings kann man sich gut an hohen Dosierungen öffentlicher Bäder orientieren: Hier kommen bei intensiver Beanspruchung bis zu 10 mg/l zum Einsatz. Werte darüber hinaus sollten unbedingt auf anderem Wege neutralisiert werden.

Hinweis: Wer Poolwasser austauscht, kommt kaum ohne eine neue Einregelung des Chlorwertes aus. Man kann nicht davon ausgehen, dass z.B. bei einem um das Doppelte zu hohen Wert 50% des Wassers tauscht und anschließend optimale Werte vorfindet. Hintergrund ist der erhöhte Chlorbedarf für die anfängliche Erstchlorierung von Frischwasser.

3. Chlorneutralisierung bei hohen Überschreitungen

Ist die Überschreitung geeigneter Chlorwerte dagegen hoch oder gar sehr hoch, ist die Neutralisierung mit den bereits genannten Methoden entweder sehr langwierig, oder – wie im Falle des Schwimmens – schlicht nicht möglich. Hier ist es durchaus angebracht, mit dem Einsatz chemischer Präparate zu reagieren, durch die sich der Gehalt gezielt und zuverlässig verringern lässt.

Am weitesten verbreitet ist der Einsatz von Natriumthiosulfat. Auch Wasserstoffperoxyd wird in fertigen Präparaten immer wieder herangezogen, um unerwünschtes Chlor aus dem Pool zu beseitigen. Beide Stoffe werden in unterschiedlichen Verbindungen als Pulver oder Pellets angeboten und wie folgt eingesetzt:

  1. Wassermenge ermitteln – erfolgt durch Berechnung aus Länge, Breite und Tiefe des gefüllten Pools
  2. Ist-Wert des Chlorgehalts im Pool durch Messung bestimmen
  3. Soll-Wert für angestrebten Chlorgehalt festlegen, meist zwischen 1 und 2 mg/l Wasser.
  4. Erforderliche Menge des Neutralisators ermitteln, in aller Regel durch Herstellerangaben zum Produkt einfach durchführbar
  5. Neutralisator dem Beckenwasser zufügen
  6. Erzeugten Chlorgehalt über Messung bestimmen
  7. Bei Abweichungen zum Soll-Wert über Chlor oder Chlorsenker nachregeln

Tipp: Um unnötige Mengen an Chemie zu vermeiden, lohnt es, den Chlorneutralisator nicht von vorn herein komplett in das Wasser zu geben. Stattdessen ist eine anteilige Zugabe sinnvoll, wonach der tatsächliche Ist-Wert bestimmt werden kann. Weicht dieser vom theoretisch erzeugten Wert ab, sollte die Restmenge entsprechend angepasst werden.

Achtung: Selbst in verarbeiteter Form sind die zur Chlorneutralisierung verwendeten Stoffe nicht völlig unkritisch anzusehen. Bei der Verwendung sollten daher unbedingt alle Vorkehrungen getroffen werden, die der Hersteller vorgibt. Auch ein Blick auf das Sicherheitsdatenblatt kann helfen, die Gefährlichkeit der Stoffe einzuschätzen und erforderliche Schutzmaßnahmen zu treffen.

Pool im Garten

Chlor mit Wasserstoffperoxyd neutralisieren

Während Natriumthiosulfat außerhalb der genannten Pool-Chemie für den Laien eher schwer erhältlich ist, ist Wasserstoffperoxyd in unterschiedlichster Konzentration über die Apotheke oder andere Quellen recht einfach erhältlich. Es liegt nahe, dass der eine oder andere Poolbesitzer nun auf die Idee kommt, sich den Umweg über fertige Produkte zu ersparen und kostengünstig und ohne zusätzliche Binde- und Zusatzstoffe dem Chlor direkt mit Wasserstoffperoxyd zu Leibe zu rücken. Davon wird hier in aller Deutlichkeit abgeraten.

Wasserstoffperoxyd ist in unterschiedlichsten Konzentrationen erhältlich, so dass bei der Bestimmung der erforderlichen Menge leicht Fehler unterlaufen können. Darüber hinaus handelt es sich dabei aber auch um einen Gefahrstoff, der in hoher Konzentration stark ätzend sein kann und somit für im Umgang ungeübte Menschen eine hohe Gefährdung darstellt. Insbesondere Atemwege, Haut und Augen können bei falschem Umgang dauerhaft geschädigt werden.

Bewertung: 5.0/5.. Aus 1 Stimme.
Bitte warten...