Kohlrabi anbauen und ernten: Aussaat, Pflege und Erntezeit

Kohlrabi anbauen und ernten

Kohlrabi zählt zu den unempfindlichen Gemüsearten, dennoch können Sie beim Anbau im heimischen Garten Fehler machen, die keine zufriedenstellende Ernte zur Folge haben. Diese sind schnell gemacht, zumal beim Kohlrabi-Anbau nicht die gleichen Vorgehensweisen gefragt sind, als bei anderen Kohlarten üblich sind. Wenn Sie sich an die Anbau-Anleitung vom Pflanzenexperte halten, klappt es problemlos.

Kohlrabi

Der Kohlrabi stellt in der Regel keine großen Ansprüche. Wenn Sie die wichtigsten Faktoren bei der Pflege und dem Anbau beachten, können Sie bereits nach wenigen Wochen ernten. Der Rübkohl, wie er in der Schweiz genannt wird, lässt sich selbst vermehren, eignet sich als Pflanzennachbar vieler anderer Gemüsearten und bietet Ihnen verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften. Im Hausgarten-Magazin erhalten Sie eine professionelle Anleitung, die auch Laien den unkomplizierten Anbau von Kohlrabi ermöglichen.

Standort

Wohl fühlt sich der in der Botanik-Fachsprache genannte Brassica oleracea var. gongylodes L in Regionen mit gemäßigtem Klima, weshalb er sich in West- und Mitteleuropa an sonnigen Standorten gut anbauen lässt. Als Jungpflanze sollte er warm in der Sonne stehen. Im Herbst verträgt er ein halbschattiges Plätzchen problemlos. Je nach Kälteempfindlichkeit sollte er windgeschützt stehen.

Kohlrabi braucht einen sonnigen Standort

Fruchtfolge

Der Kohlrabi benötigt aufgrund seines meist schnellen Wachstums, ausreichend Nährstoffe. Aus diesem Grund sollte er für die Dauer von vier Jahren nicht an den selben Standort angebaut werden, wo er bereits stand.

Mischkultur

Ebenfalls aufgrund des hohen Bedarfs an Nährstoffen, ist es empfehlenswert, den Brassica oleracea var. gongylodes L. nicht neben stark-zehrenden Gewächsen oder aus der Kohlfamilie stammenden Gemüsearten anzubauen. Optimal eignen sich als Pflanzennachbarn zum Beispiel die Folgenden.

  • Salate
  • Spinat
  • Stangenbohnen
  • Gurken
  • Rote Beete
  • Erbsen
  • Radieschen

Vor- und Nachkultur

Der Kohlrabi kann in der Regel für nahezu alle Gemüsearten als Vorkultur angebaut werden. Lediglich bei Gewächsen aus der Kohlfamilie, ist von einer Vorkultur abzusehen. Die Wartezeit erstreckt sich hier auf einen Zeitraum von mindestens drei, besser vier Jahren. Als Nachkultur eignet sich der Rübkohl hervorragend. Aber auch die Regel: nicht auf Plätzen anbauen, auf denen andere Kohlarten in den letzten drei bis vier Jahren wuchsen.

Bodenbeschaffenheit

Da der Oberkohlrabi (Trivialname) nur recht kurze Zeit bis zur Ernte in der Erde verbringt, halten sich seine Ansprüche an diesen, in Grenzen. Einige wenige Punkte sollten Sie dennoch beachten.

  • mittelschwer bis humusreich
  • nährstoffhaltig
  • gleichmäßige Feuchte
  • durchlässig
  • keine Staunässe
  • pH-Wert um 7.0

Kohlrabi bevorzugt zum Wachsen einen humusreichen Boden

Beste Pflanzzeit

Oberrüben können zwischen Frühjahr und Spätsommer gesät werden. Aufgrund der recht kurzen Zeit bis zur Erntereife, können Sie je nach Sorte, bis in den Herbst hinein ernten. Der frühste Zeitpunkt zum Einpflanzen/zur Aussaat im Freien, ist Mitte März. Da hier meist die Temperaturen noch kalt sind, ist die Aussaat mit einem Vlies oder einer Folie vor der Kälte zu schützen.

In der Regel sollte die letzte Aussaat für eine Herbsternte im Juni erfolgt sein. Spätestens im Juli ist dann Schluss. Hier sollten Sie aber die Aussaat ebenfalls mit einem Vlies oder einer lichtdurchlässigen Folie vor kühlen Temperaturen schützen.

TIPP: Wenn Sie die Saison durchgehend ernten möchten, ist eine Aussaat im Zwei-Wochen-Rhythmus empfehlenswert. Dies setzt allerdings ein entsprechendes Platzangebot voraus.

Vorgezogener Kohlrabi

Alternativ ist Kohlrabi in einem Pflanzentopf vorziehbar. Dies kann ab Ende Februar/Anfang März vorgenommen werden. Die vorgezogene Pflanze ist in der Regel ab April reif für die Einpflanzung ins Gemüsebeet, wenn wärmere Temperaturen bestehen.

Kohlrabi-Aussaat

Ist ein passender Standort gefunden, der den Ansprüchen des Kohlgewächses gerecht wird, können Sie mit der Aussaat wie folgend beschrieben, beginnen.

  • Erde gegebenenfalls mit Kompost anreichern
  • wird die Saat immer an gleicher Stelle gesät, reicht eine Kompostanreicherung alle zwei bis drei Jahre
  • Gleiches gilt, wenn Kohlrabi als Nachkultur von Schwachzehrern gepflanzt wird
  • Boden gut anfeuchten
  • Samen circa ein bis zwei Zentimeter tief in der Erde streuen
  • Samen maximal zwei Zentimeter mit Erde bedecken (Dunkelkeimer)
  • Aussaat-Abstände: Früh- und Sommersorten: 25 bis 30 Zentimeter, große Kohlrabisorten 40 bis 50 Zentimeter

Kohlrabi vorziehen

Wollen Sie die Stängelrübe vorziehen, verteilen Sie die Aussaat in einem Anzuchtkasten oder geeigneten Pflanzentopf. Das bietet sich insbesondere an, wenn Sie frühzeitig ernten möchten, denn mit dem Vorziehen können Sie im beheizten Räumen bereits Ende Februar/Anfang März mit der Aussaat beginnen. Die erste Ernte ist dementsprechend früh im Jahr möglich.

Vorteilhaft ist, wenn Sie nährstoffreiches Substrat oder spezielle Anzuchterde verwenden. In der Arbeitsweise gehen Sie vor, wie bei der Freilandaussaat. Folgende Punkte sollten Sie zusätzlich berücksichtigen.

Kohlrabi im Pflanztopf vorziehen

  • Umgebungstemperatur: zwischen 15 Grad Celsius und 18 Grad Celsius
  • nach circa vier Wochen können die Jungpflanzen pikiert werden
  • haben sich Blätter gebildet, verträgt die Jungpflanze kühlere Temperaturen bis zehn Grad Celsius
  • entspricht die Außentemperatur der Mindesthöhe, kann die Jungpflanze ins Freie gepflanzt werden

Setzlinge setzen

Beim Einpflanzen von Setzlingen bereiten Sie den Boden ebenso vor, wie zuvor beschrieben. Beachten Sie zudem, wie nachfolgend aufgeführt, weitere Details zum Setzen.

  • Pflanzabstand: mindestens 20 Zentimeter, je nach Endgröße der jeweiligen Sorte
  • Reihenabstand: mindestens 30 Zentimeter, je nach Endgröße der jeweiligen Sorte
  • Pflanztiefe: je nach Setzlingsgröße circa fünf Zentimeter – nicht zu tief, da sonst erhöhtes Verholzungsrisiko
  • Erdoberfläche leicht andrücken
  • gleichmäßig feucht halten
  • Staunässe vermeiden

Kohlrabi Setzlinge in die Erde setzen

Gewächshaus-Aussaat

Die Aussaat und Anzucht von Kohlrabi ist in Gewächshäusern ganzjährig möglich. Voraussetzung ist, dass die Temperaturen konstant mindestens zwischen 15 Grad Celsius und 18 Grad Celsius betragen, wenn durchgehend im Gewächshaus ausgesät wird. Die Gemüseanbau-Experten sprechen hier von Treibhaus-Kohlrabis. Diese unterscheiden sich zu denen aus dem Freiland durch ein zartes Fleisch. Im Geschmack zeigen sie sich allerdings mit einem minimal geringfügigeren Aroma.

Gießen

Ein wichtiges Kriterium zum prächtigen Wachstum eines Kohlrabis, ist der optimale Feuchtigkeitsgehalt. Der Brassica oleracea var. gongylodes L. ist durchgehend feucht zu halten und sollte einen konstanten Feuchtigkeitsgehalt von der Aussaat bis zur Ernte aufweisen. Das bedeutet, große Schwankungen oder eine ausgetrocknete Erde sind zu vermeiden. Dies würde das Risiko einer Verholzung der Knolle zur Folge haben. Diese könnte zudem aufplatzen.

Zu feucht darf der Kohlrabi auch nicht stehen. Dies würde ihn im Knollenwachstum ausbremsen, wenngleich die Blätter anfangs noch kräftig sprießen würden. Staunässe verträgt er nicht. Halten Sie die Erde mäßig feucht, kann er kräftig wachsen. An heißen Sommertagen und längeren Trockenperioden heißt das, dass Sie einige Zeit mit Gießen verbringen werden.

Düngen

Das Kohlgewächs besitzt einen hohen Nährstoffbedarf. In der Regel reicht es aus, wenn bei der Aussaat die Erde mit nährstoffreichem Dünger angereichert wird. Kompost eignet sich optimal. Vorteilhafter ist es aber, wenn er kleine Dosen über einen längeren Zeitraum zu Verfügung gestellt bekommt. Reichern Sie die Erde bereits im Herbst vor der ersten Aussaat mit Nährstoffdünger an, kann sich dieser bis Folgejahr optimal verteilen. Zusätzliche Düngergaben während des Wachstums sind nicht erforderlich. Eine Bodenanreicherung bietet in der Regel ausreichend Nährstoffe für zwei bis drei Jahre.

Ernte

Der Kohlrabi besitzt eine verhältnismäßig kurze Reifezeit. Viele Frühsorten sind oftmals schon nach acht Wochen erntefertig. Vor allem groß wachsende Kohlrabisorten benötigen in der Regel zwischen zehn und zwölf Wochen, bis der optimale Erntegrad erreicht ist. Grundsätzlich sollten Sie sich bei der Ernte an der zu erwartenden Endgröße orientieren, wie sie auf dem Aussaat-Tütchen angegeben ist. Bei klein-knolligen Exemplaren ist dies zum Beispiel der Fall, wenn sie die Größe eines Tennisballes erreicht haben.

Kohlrabi ernten

Sie sollten sich strikt an diese Angaben halten und bei Erreichung der Größe ernten. Warten Sie zu lange, weil Sie eventuell auf einige Zentimeter mehr hoffen, laufen Sie Gefahr, dass sich die Knolle verholzt und nicht mehr verzehrbar ist. Abgeschnitten wird der Kohlrabi direkt unterhalb der Knolle. Ein scharfes Messer eignet sich am besten für den Vorgang.

TIPP: Achten Sie unbedingt bei der Ernte darauf, dass Sie nur desinfiziertes Schneidewerkzeug verwenden, vor allem, wenn Sie damit weiteres Gemüse schneiden. Schneidewerkzeug ist der häufigste Überträger von Bakterien und Viren, die eine ganze Ernte zerstören können.

Vermehrung

Samen können Sie aus eingepflanzten Beständen selbst gewinnen und müssen diesen nicht teuer im Fachhandel kaufen. Zur Vermehrung lassen Sie den Kohlrabi im ersten Jahr stehen und verzichten auf eine Ernte. Im zweiten Jahr beginnt er zu blühen, wenn Sie ihn in der kalten Winterzeit mit Stroh oder Reisig abgedeckt haben. Nach der Bestäubung im Spätfrühjahr/Frühsommer wachsen die Samen. Ihre Reife erhalten sie in der Regel im Juli und können dann abgesammelt werden.

Wichtig ist, dass Sie den Samen nach der Gewinnung trocknen, bevor er ausgesät wird. Da die Aussaat-Saison im Freien spätestens im Juli endet, empfiehlt es sich, den Samen über den Winter hinweg trocken bis zum nächsten Jahr zu lagern. Der Kohlrabi-Knolle ist nach der Blüte nicht mehr genießbar.

Kohlrabi durch selbst gewonnene Samen vermehren

Krankheiten

Stängelrüben gelten als robuste Gemüsepflanzen, doch gelegentlich können sich Krankheiten einschleichen, die vor allem typisch für Kohlgewächse sind.

Blumenkohlmosaik-Virus

Symptome zeigen sich meist in Form von Aderaufhellungen zwischen dunkelgrünen Blattbereichen, Wachstumsstörungen, brüchigen Blättern sowie Blätterabfall. Übertragen wird die Viruserkrankung durch die Mehlige Kohlblattlaus sowie andere Lausarten. Eine Infizierung des Bodens findet nicht statt.

Behandlung:

Eine gezielte Behandlung für befallene Kohlrabis gibt es nicht. Die Pflanze ist sofort zu entfernen und Pflanzennachbarn großflächig gegen Blattläuse zu schützen. Mit Rosen, falschem Jasmin, Holunder sowie Hibisken und roten Johannisbeeren in der nahen Nachbarschaft, lenken sie Blattläuse von Ihrem Kohlrabi ab. Vorbeugend helfen natürliche Feinde der Blattläuse, wie zum Beispiel Florfliegen und Marienkäfer, die täglich Hunderte von Blattläusen vertilgen und auf diese Weise eine Verbreitung verhindern. Natürliche Fressfreunde können Sie selbst anziehen oder aus dem Gartenfachhandel beziehen.

Kohlhernie

Eine der gefürchtetsten Erkrankungen von Kohlrabi-Anbauer ist die Kohlhernie. Besonders anfällig sind Frühsorten. Eine Infektion erfolgt über im Boden angesiedelte Parasiten namens Plasmodiophora brassicae. Diese schädigen die Wurzel, die in der Folge krebsähnliche Verwachsungen bilden, welche zu faulen beginnen. Daraus bilden sich Sporen, welche Kohlrabis absterben lassen.

Typische Symptome sind Wachstumsstörungen, verfärbte und abfallende Blätter sowie knollige, walzenförmige Verdickungen der Wurzeln.

Bekämpfung:

Die Bekämpfung von Kohlhernie gestaltet sich schwierig, da chemische Bodenentseuchungsmittel in Deutschland privat nicht erhältlich sind. Eine Kalkstickstoff-Düngung kann einen Befall maximal verringern. Umso wichtiger sind nachfolgend beschriebene vorbeugende Maßnahmen.

  • Boden regelmäßig auflockern
  • pH-Wert kontrollieren – sollte immer zwischen 6.8 und 7.0 liegen
  • keine Erdbeer-Beete zum Kohlrabi-Anbau benutzen
  • Anbau-Wartezeit von mindestens vier Jahren einhalten, wenn zuvor Kohlart/Kreuzblütengewächse gepflanzt waren

Falscher Mehltau

Selten kommt es zu einem Pilzbefall mit Falschem Mehltau. Diesen erkennen Sie vor allem an einem mehlartigen, weißen, leicht violett schimmernden Pilzbelag an den Blattunterseiten. Blattverfärbungen, die anfangs hell und später dunkler werden, entstehen an den Blattoberseiten. Eine Behandlung mit Seifenlaugen ist insbesondere im Frühstadium erfolgversprechend und erhält die Verzehrbarkeit des Kohlrabis.

Kohlrabi ist eine unempfindliche Gemüseart

Schädlinge

Neben den Blattläusen findet hin und wieder der Kohltriebrüssler seinen Weg auf den Kohlrabi. Dort legt er seine Eier ab. Die Larven fressen sich bis ins Stängelinnere vor und sorgen dort für ein Schadbild, das die Knollen aufplatzen lässt. Angefressene Blattmittelrippen sowie abgeknickte Stiele sind typische Anzeichen. Gegen sie hilft meist nur der Griff zu Insektiziden aus der Gruppe der Pyrethroide Klasse II, wie zum Beispiel Bulldock, Fastac SC Super Contact oder Sumicidin Alpha EC. Die Ernte ist damit allerdings hinfällig.

Sorten

Je nach Stängelrübensorte, unterschieden sich diese in ihren Eigenschaften, wie zum Beispiel im Früh- oder Spätanbau, Geschmack sowie Wachstumsgeschwindigkeit. Einige gängige Sorten sind unter anderem die folgend Aufgeführten.

Kohlrabi selbst im Garten kultivieren

Azurstar

  • violette Knolle
  • wächst stark
  • Frühsorte

Blaro

  • rötlich-violette Knolle
  • Frühanbau
  • kältetolerant
  • schossfest
  • überdurchschnittliches zartes Aroma
  • sehr ertragsreich

Blauer Speck

  • rot-blaue Knolle
  • wächst schnell
  • Frühsorte
  • frostempfindlich
  • gut lagerfähig

Weißer Delikatess-Kohlrabi

  • hellgrüne Knolle in platt-runder Form
  • viel Aroma
  • zart
  • mittlere Wachstumsgeschwindigkeit

Express Forcer F1

  • schnell wachsend
  • Frühreif
  • zart und aromatisch
  • wird meist zu Verkaufszwecken angebaut

Gigant

  • späte Ernte durch langsameres Wachstum
  • hohes Knollengewicht möglich
  • lässt sich gut lagern

Konmar F1

  • gängigste Sorte
  • hellgrüne Knolle
  • mildes Aroma

Kossak F1

  • ovale, hellgrüne Knolle
  • Knollengewicht bis zu vier Kilogramm möglich
  • schnell wachsend
  • hoher Platzanspruch

Lanro

  • hellgrüne Knolle
  • Frühsorte
  • ertragsreich
  • schossfest
  • sehr geschmackvoll und zartes Fleisch
  • schnell wachsend

Weißer Wiener

  • hellgrüne, groß werdende Knolle
  • schnell wachsend
  • hervorragendes Aroma
  • verholzt kaum
  • Späternte
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