Kräuter aussäen: Anzucht aus samen im Topf: Anleitung

Kräuter aussäen

In der Küche sind Kräuter kaum noch wegzudenken. Sie geben Speisen erst die richtige Würze. Im Handel sind Kräutertöpfe der unterschiedlichsten Sorten ganzjährig erhältlich. Meist sind sie recht teuer und halten auch nicht sehr lange Zeit auf der Fensterbank aus. Günstiger ist hier schon eine eigene Anzucht im Topf aus Samen. Es ist ganz einfach und vor allem die Kräuter halten auch einiges aus. Sie können sogar später im Garten ausgepflanzt werden.

Kräuter aussäen

Die eigenen Kräuter aus dem Garten oder von der Fensterbank sind für viele ein Muss. Die Kräuter lassen sich dabei ganz einfach selbst aussäen. Wie die Anzucht aus Samen im Topf funktioniert, erfahren Sie in der folgenden Anleitung.

Saatgut

Bei jeder Aussaat, egal ob im Freiland oder einer Anzucht im Topf ist stets die Qualität des Saatgutes ausschlaggebend für den Erfolg. Wichtig ist, dass das Saatgut auch immer noch eine gewisse Keimfähigkeit besitzt. Auf den Samentüten ist dazu eine Keimgewähr angegeben, sprich das Erntejahr und bis wann der Samen haltbar ist. Je älter er ist, desto schlechter keimt er später dann auch.

Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass das Saatgut der Kräuter sich in einer Keimschutzpackung befindet. Hier ist es vor Luft und Feuchtigkeit geschützt. Gleichzeitig wird so eine lange Keimfähigkeit gewährleistet.

Tipp: Der Samen der Kräuter kann auch selbst geerntet werden. Die Entnahme der Samen sollte erfolgen, kurz bevor sich die Fruchtstände öffnen. Diese werden dann getrocknet und luft- und lichtdicht verpackt. Im darauffolgenden Jahr ist er einsatzbereit.

Zeitpunkt

Im Freiland, also im Garten sollte eine Aussaat von Kräutern von April bis in den Spätsommer hinein erfolgen, je nach Sorte. Anders sieht es da bei der Anzucht von Jungpflanzen im Haus aus. Hier können die Samen ganzjährig ausgesät werden. Manch Hobbygärtner rät hier allerdings von einem Aussäen der Kräuter von November bis Januar ab, mit der Begründung, dass während dieser Monate das Wachstum schwächer ist, da höhere Temperaturen und auch Sonnenlicht fehlt. Allerdings könnten diese Faktoren bei einer Aussaat im Haus auch während dieser Zeit positiv beeinflusst werden. Der beste Zeitpunkt Kräutersamen im Topf auszusäen sind jedoch von Ende Februar bis Anfang März. Wichtig ist dann aber, dass die Jungpflanzen einen Platz entweder auf der Fensterbank oder im Gewächshaus erhalten.

Substrat

Ein Aussäen der Samen sollte niemals in normaler Blumenerde erfolgen. Diese enthält zu viele Nährstoffe und Salze wie Stickstoff, Phosphor und Kalium. Diese sind schädlich für die Entwicklung der Wurzeln von den Keimlingen. Verwendung sollte hier spezielle Anzuchterde finden. Diese ist

  • sehr feinkrümlig
  • dunkel in der Farbe
  • nährstoffarm
  • weitestgehend unkrautfrei
  • enthält keine groben Bestandteile
  • aufgrund der Struktur beim Gießen nicht so stark verdichtend

Tipp: Alternativ können zum Aussäen von Kräutersamen auch sogenannte Kokos-Quelltabletten Verwendung finden. Diese sind nicht nur sehr umweltfreundlich, sondern auch leicht in der Handhabung.

Kokos Quelltabletten zur Anzucht

Licht- und Dunkelkeimer

Bei der Aussaat ist stets darauf zu achten, ob es sich bei den Kräutern um Licht- oder Dunkelkeimer handelt. Ein Vermerk dazu ist immer auf der Samentüte zu finden.

Lichtkeimer

Dunkelkeimer

  • Petersilie
  • Schnittlauch und
  • Borretsch

Der Unterschied zwischen beiden besteht lediglich darin, dass

  • der Samen von Lichtkeimern nur an der Erdoberfläche leicht angedrückt, nicht bedeckt wird
  • Dunkelkeimer hingegen erhalten eine vollständige Erdschicht als Abdeckung
  • Faustregel ist hierbei: mindestens so hoch, wie der Samen dick ist

Tipp: Hartschalige Samenkörner sollten mindestens eine Nacht vor der dem Aussäen in warmen Wasser vorgequollen werden. Dadurch wird die Keimung erleichtert.

Kräuter aussäen: Anleitung

Die Anzucht kann entweder in Töpfen und auch handelsüblichen Kleingewächshäusern für die Fensterbank erfolgen. Daneben besteht ebenfalls die Möglichkeit sich ein „Mini-Gewächshaus“ selber zu basteln. Dazu nachher noch einige Ausführungen. Die Aussaat ist normalerweise recht einfach. Vorgegangen wird dabei wie folgt:

  • Pflanzgefäß mit Anzuchterde bis zum Rand füllen
  • anschließend Erde gleichmäßig verteilen und leicht andrücken
  • Samenkörner in Abständen (nicht zu dicht) gleichmäßig verteilen
  • Lichtkeimer nur leicht an Erdoberfläche andrücken
  • Dunkelkeimer dünn mit Erde bedecken
  • mit Handrücken oder Brettchen leicht festdrücken
  • Saatgut vorsichtig befeuchten
  • am besten dazu eine Sprühflasche verwenden
  • Staunässe vermeiden (Schimmelbildung)
  • Topf oder sonstiges Pflanzgefäß mit einer Haube abdecken
  • als Abdeckung eignet sich Folie oder eine Plastiktüte
  • allerdings muss dann auch eine regelmäßige Lüftung erfolgen
  • dazu Abdeckung immer einmal kurz entfernen
  • Gefäße an einen warmen Platz verbringen
  • optimale Keimtemperatur liegt bei 20 °C bis 25 °C
  • nicht auf Fensterbank über der Heizung stellen
  • bei Heizungsluft vertrocknet Saatgut und später Keimlinge schnell
  • Feuchtigkeit der Erde regelmäßig prüfen

Nach 8 bis 14 Tagen zeigen sich die ersten Keimlinge. Jedoch sollte beachtet werden, dass die Keimdauer der einzelnen Kräuterarten recht unterschiedlich sein kann. Angaben dazu sind ebenfalls auf den Samentütchen zu finden. Weiterhin sollte auch beachtet werden, dass die die Keimdauer auch von den vorherrschenden Bedingungen abhängig ist. Sie kann sich also vielleicht dadurch auch etwas verlängern. Die Sämlinge benötigen nun

  • mehr Licht
  • aber keine pralle Sonne
  • ein Platz am Südfenster ist daher zu vermeiden
  • Abdeckung kann nun langsam vollständig entfernt werden
  • jetzt ist vermehrt auf Feuchtigkeit zu achten
  • aber Staunässe vermeiden
  • für einen gleichmäßigen Wuchs Töpfe alle zwei bis drei Tage drehen

Tipp: Besonders gut von der Aussaat bis zur Ernte lassen sich Basilikum, Rosmarin, Dill, Kresse, Petersilie, Pfefferminze, Schnittlauch und Thymian auf der Fensterbank kultivieren.

Kräuter aussäen

Pikieren der Jungpflanzen

Wenn sich nun die ersten Blättchen zeigen und die Sämlinge eine Höhe zwischen 8 und 10 cm erreicht haben, ist es an der Zeit die Pflänzchen zu vereinzeln. Die Wurzeln der einzelnen Pflanzen brauchen jetzt genügend Platz für eine gute Entwicklung. Nur so ist dann ein gesundes Wachstum der Kräuter möglich. Pikieren der Setzlinge ist nicht besonders schwer, jedoch muss dabei vorsichtig vorgegangen werden:

  • als Pflanzsubstrat jetzt normale Blumenerde verwenden
  • entsprechende Anzahl Töpfe damit befüllen
  • als Hilfsmittel ein Pikierbesteck verwenden
  • Pikierholz vorsichtig unter die Sämlinge setzen
  • alles mit der Wurzel anheben
  • einzeln in vorbereitete Töpfe setzen
  • Wurzeln dabei nicht verletzen
  • Sämlinge entwickeln jetzt richtige Wurzelballen
  • gut angießen und regelmäßig Feuchtigkeit kontrollieren
  • Staunässe vermeiden

Ab diesem Zeitpunkt benötigen nun die kleinen Pflanzen regelmäßige Nährstoffgaben in Form von Dünger für ein optimales Wachstum. Hauptsächlich werden benötigt Stickstoff, Phosphor für die Wurzelbildung und Kalium zur Stärkung des Gewebes und Förderung der Widerstandskraft.

Tipp: Nur gesunde Kräuter entwickeln auch ein volles Aroma.

Vereinzeln nicht notwendig

Das Pikieren von Jungpflanzen kann entfallen, wenn bereits bei der Aussaat spezielle Aussaatgefäße Verwendung finden. Alternativ ist auch der Einsatz von Kokos- Quelltabletten oder Anzuchttöpfe aus Torf möglich. So können Sämlinge in „Torftöpfen“ auch bei der Verpflanzung in diesen verbleiben. Die Struktur dieser Anzuchttöpfe aus Torf zersetzt sich mit der Zeit von allein. Jedoch sollte bei einer Verwendung immer bedacht werden, dass diese nicht gerade sehr umweltfreundlich sind, da für ihre Herstellung Torf abgebaut werden muss, was wiederum mit der Zeit zur Trockenlegung der noch verbliebenen Hochmoore führt. Die Folge äußert sich im stetig anhaltenden Klimawandel.

Eine bessere Alternative ist hier die Aussaat von Kräutersamen in Kokos-Quelltabletten. Hierbei handelt es sich um ein rein organisches Produkt. Dieses Substrat besteht zu Hundertprozent aus nachwachsenden Rohstoffen, nämlich aus Kokosfasern der Kokosnussschale. Das Aussäen der Kräuter ist auch hier recht einfach.

Aussaat in Kokossubstrat: Anleitung

Kokos-Quelltabletten sind im Handel erhältlich. Ihre Handhabung ist sehr leicht. Bei Zugabe von Wasser verdoppeln sie ihr Volumen und sind danach für die Aussaat vorbereitet.

  • mehrere Tabletten in einen Anzuchttopf legen
  • Tabs müssen nebeneinander liegen
  • anschließend warmes Wasser darüber gießen
  • Tabletten mindestens 5 bis 10 Minuten quellen lassen
  • überschüssiges Wasser aus dem Topf gießen
  • Tabletten sind von einem feinen Netz umschlossen
  • dieses lediglich an seiner Oberseite vorsichtig aufschneiden
  • nun das Saatgut leicht in die Erde drücken
  • auch hier Beachtung ob Licht- oder Dunkelkeimer
  • bei Dunkelkeimern etwas Kokossubstrat darauf verteilen
  • Anzuchttöpfe hell aufstellen
  • regelmäßig gießen, nicht austrocknen lassen

Wenn die Sämlinge so gut gewachsen sind, dass der Anzuchttopf zu klein wird, ist dann ein Umtopfen in einen größeren Topf mit normaler Blumenerde erforderlich. Weitere Pflegemaßnahmen dann wie bereits beschrieben.

Aussaattöpfe selber herstellen

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, selbst Anzuchttöpfe herzustellen. Im Handel gibt es dafür spezielle Vorrichtungen. Aus altem Zeitungspapier können dann Töpfe geformt werden. Mit diesen Töpfen können die Sämlinge dann auch bei entsprechender Größe umgetopft werden.

Daneben hat es sich als ungeheuer praktisch erwiesen, wenn Anzuchttöpfe in kleine Abteilungen unterteilt sind. So kann in jede Abteilung ein Samenkorn gelegt werden. Zur Vorsicht sollten jedoch zwei bis drei gesät werden. Die schwächeren Keimlinge werden dann später entfernt, so dass am Ende nur der Kräftigste stehen bleibt. So entfällt das Pikieren.

Ganz einfach lässt sich ein kleines „Mini-Gewächshaus“ auch selbst herstellen. Dazu werden benötigt

  • eine Eierverpackung und
  • Klarsichtfolie

Der Deckel wird dann einfach aufgeschnitten und durch Klarsichtfolie ersetzt. Anschließend wird Anzuchterde eingefüllt und das Kräuter Aussäen kann beginnen.

Anzucht im Eierkarton

Tipp: Verwendung als Anzuchttöpfe können auch Joghurtbecher, abgeschnittene Kunststoffflaschen oder Milchtüten finden.

So in Töpfen vorgezogene Kräuter können dann entweder in den Garten verpflanzt werden oder werden weiterhin auf der Fensterbank gepflegt. Sie sollten dann allerdings je nach Sorte einen hellen bis halbschattigen Platz erhalten.