Orchidee verfault: was tun? | Hilfe bei Stammfäule und Herzfäule

Orchideen

Dass die Orchidee verfault, erkennen auch erfahrene Orchideenliebhaber oft erst, wenn jede Hilfe schon zu spät kommt. Gerade Krankheiten wie die Herz- bzw. die Stammfäule erweisen sich als tückisch, da eine scheinbar gesunde Pflanze plötzlich wegstirbt. Lesen Sie, auf welche Anzeichen Sie bei Ihren Orchideen achten müssen und wie Sie betroffene Exemplare behandeln können. Da Fäulnis jedoch fast immer zum Absterben führt, sind vorbeugende Maßnahmen immer noch die beste Behandlungsmethode.

Orchidee verfault

Wenn die Orchidee weiche oder gar faule Stellen bekommt, ist meist auf eine der beiden Fäulniskrankheiten zurückzuführen:

  • Herzfäule
  • Stammfäule

Wir zeigen, wie Sie die beiden Schadbilder erkennen und was Sie gegen die Krankheiten tun können.

Herzfäule

Die Herzfäule ist eine typische Erscheinung monopodial wachsender Orchidaceae wie etwa der beliebten Phalaenopsis (Schmetterlingsorchidee) oder der ebenso unkomplizierten Vanda. Diese beiden Arten bilden einen einzigen Pflanzenspross aus, aus dessen Mitte wechselseitig immer wieder neue Blätter sprießen.

Herzfäule an Orchidee

Ursachen

Fäulniskrankheiten werden stets durch ein Übermaß an Feuchtigkeit ausgelöst, was wiederum die Ansiedlung von Pilzen oder Bakterien und entsprechende Zersetzungsprozesse auslöst. Dabei kann es sich um unterschiedliche Erreger handeln, nur die Symptome und Folgen der Krankheit sind dieselben. Beginnt das Herz der Orchidee zu faulen, so ist häufig stehendes Wasser zwischen zwei Blättern bzw. zwischen einem Blatt und der Bulbe die Ursache. Von hier aus gelangt die Feuchtigkeit ins Innere, ins „Herz“, der Pflanze. Hier finden die in der Regel bakteriellen Erreger beste Wachstumsbedingungen vor und vermehren sich innerhalb kurzer Zeit – die Orchidee verfault von innen heraus.
Neben falschem Gießen können auch diese Ursachen zu einem Übermaß an Feuchtigkeit und somit zu einem Ausbruch der Herzfäulnis führen:

  • zu hohe Luftfeuchtigkeit
  • falsches/ zu häufiges Tauchen oder Sprühen
  • Schwitzwasser, Orchidee kann zwischendurch nicht „abtrocknen“
  • Gießen, Tauchen oder Besprühen zum falschen Zeitpunkt, z. B. abends
  • wenig Frischluft, z. B. im Terrarium

Schadbild

Charakteristisch für die Krankheit ist das plötzliche Abfallen scheinbar gesunder Blätter, die sich schon bei leisester Berührung von der Pflanze lösen. Oft färben sich die oberen, also jüngsten Blätter, zuerst gelb, wobei sich bei näherem Hinschauen nicht nur die unteren, manchmal noch grünen, Blätter ebenfalls verabschieden, sondern sich auch die Ursache des Übels erkennen lässt. Die von der Herzfäule betroffenen Stellen sind

  • schwarz gefärbt,
  • feucht,
  • weich bis matschig,
  • nach Fäulnis riechend.

Ist die Krankheit noch nicht allzu weit fortgeschritten, sind nur eine oder einige wenige Stellen betroffen. Je mehr Zeit die Erreger jedoch für ihre Arbeit haben, desto mehr greift die Fäulnis auch auf andere Teile der Orchidee über – bis sie schließlich gänzlich verfault ist. Auch der Stamm kann betroffen sein.

Bekämpfung

Die Herzfäulnis führt fast immer zum Tod der Orchidee, eine Behandlung ist meist nur ganz zu Beginn der Krankheit noch möglich. Sofern nur eine oder mehrere kleine Stellen betroffen und die Wurzeln noch gesund sind, können Sie folgende Maßnahmen versuchen:

  • erkrankte Pflanzenteile großzügig wegschneiden
  • Schnittstellen desinfizieren
  • hierzu mit Kohle- oder frischem Zimtpulver bestäuben
  • Pflanze trocken halten

In den meisten Fällen wird die Fäulnis jedoch erst erkannt, wenn sie bereits tief ins Herz der Pflanze vorgedrungen ist. Nun bildet die Orchidee keine neuen Blätter mehr aus und stirbt über kurz oder lang ab. Die Pflanze ist nicht mehr zu retten und muss entsorgt werden. Werfen Sie sie jedoch nicht auf den Kompost, sondern in den Hausmüll. Auch der Pflanztopf muss vor einer erneuten Verwendung gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Anderenfalls droht eine Neuansteckung weiterer Pflanzen, da der Erreger an den Oberflächen verbleibt und nicht zusammen mit der Pflanze abstirbt.

Tipp: Mit ein wenig Glück entwickeln sich jedoch noch sogenannte Stammkindel, die Sie abtrennen und als genetisch identische Nachkommen einpflanzen können. Hierzu pflegen Sie die betroffene Orchidee wie gewohnt weiter, wobei Sie sie jedoch von anderen Pflanzen separieren sollten. Dies verhindert ein Übergreifen der Erreger auf bislang gesunde Exemplare.

Vorbeugung

Wie immer ist Vorbeugung die beste Medizin, weshalb Sie bei der Pflege von Orchidaceae diese Hinweise beachten sollten:

  • morgens gießen, damit Wasser über den Tag abtrocknen kann
  • wegen schlechterer Verdunstung nicht abends oder nachts wässern
  • hohe Luftfeuchtigkeit in geschlossenen Räumen vermeiden
  • regelmäßig lüften
  • kein Wasser an bzw. in der Orchidee stehen lassen
  • nicht über die Blätter/ von oben gießen
  • Wasser zwischen Blättern bzw. Blättern und Bulben mit Papier oder Watte abtupfen

Stammfäule

Die Stammfäule ist der beschriebenen Herzfäulnis recht ähnlich. Auch hier sind vornehmlich Arten wie Phalaenopsis oder Vanda betroffen, die lediglich einen Pflanzenspross ausbilden und ihre Blätter nacheinander aus dessen Mitte sprießen lassen. Diese Krankheit ist ebenso gefährlich, da die betroffene Pflanze fast immer abstirbt. Allerdings gibt es im Hinblick auf das Schadbild und die Ursachen – und damit betreffend natürlich Behandlung sowie vorbeugende Maßnahmen – einige Unterschiede.

Stammfäule an Orchidee

Ursachen

Die Stammfäulnis bildet ihre Ursache zumeist in zu feuchtem Substrat, wobei sich aus einer fortgeschrittenen Herz- auch eine Stammfäule entwickeln kann. Auch hier steckt also ein Übermaß an Feuchtigkeit oder sogar Nässe hinter der Krankheit, was schließlich zu einer starken Vermehrung zumeist bakterieller Erreger führt. Außerdem führen weitere Ursachen zum typischen Schadbild:

  • ständig feuchtes, zwischendurch kaum abtrocknendes Substrat
  • überschüssiges Gießwasser steht im Übertopf
  • Pflanze ist zu tief eingetopft
  • Stamm bleibt nach dem Besprühen zu lange nass, trocknet nicht ab
  • Pflanze trocknet nach dem Tauchen nicht ab

Tipp: Vielerorts empfehlen erfahrene Orchideenhalter, die Pflanzen nicht zu gießen, sondern zu tauchen. Danach müssen Sie sie jedoch gut abtropfen lassen, damit sich überschüssiges Wasser nicht im Topf sammelt.

Schadbild

Während bei der Herzfäulnis zunächst das jüngste Blatt – das so genannte Herzblatt der Orchidee – verfault, färben sich bei der Stammfäulnis eher die unteren Blätter erst gelb und fallen dann ab. Auch hier können bei einer fortgeschrittenen Fäulnis plötzlich alle Blätter selbst bei einer sanften Berührung der Pflanze auf einmal abgeworfen werden. Faulende Stellen sind schwarz, weich und feucht, vor allem der Stamm, das Innere, der Pflanze.

Bekämpfung

Fäulniskrankheiten sind tückisch, da sie oft erst sehr spät erkannt werden und enden daher in fast allen Fällen mit dem Absterben der betroffenen Orchideen. Da ist die Stammfäule keine Ausnahme, denn sobald das Innere der Pflanze verfault und alle Blätter abgeworfen sind, treibt diese kein neues Herzblatt mehr aus. Sie brauchen das betreffende Exemplar jedoch nicht gleich der Biotonne zu übergeben, denn sofern die Wurzeln noch gesund erscheinen, bilden sich häufig Ableger, die so genannten Stammkindel, aus. Bestäuben Sie die fauligen Stellen mit pulverisierter Holzkohle oder frischem Zimtpulver, setzen Sie die Pflanze in frisches, trockenes Substrat und warten Sie eine Weile ab. Nach einigen Wochen bis Monaten haben Sie mit etwas Glück einen gesunden, genetisch identischen Abkömmling.

Vorbeugung

Da die Behandlung faulender Orchidaceae kaum erfolgreich ist, sind vorbeugende Maßnahmen umso wichtiger. Sinnvoll sind vor allem diese Hinweise:

  • nicht von oben, sondern immer auf das Substrat gießen
  • überschüssiges Gießwasser immer zeitnah entfernen
  • Übertopf weglassen, dieser verhindert ein Verdunsten der Feuchtigkeit
  • Orchidee im Winter trockener halten
  • seltener und vor allem weniger gießen, da Feuchtigkeit nur langsam verdunstet

Phalaenopsis, Schmetterlingsorchidee

Tipp: Ist die Fäulnis noch ganz im Anfangsstadium, rettet rasche Hilfe in Form von Umtopfen in frischem, trockenem Substrat die betreffende Pflanze manchmal. Holzkohle- oder Zimtpulver desinfiziert die fauligen Stellen und verhindert ein weiteres Ausbreiten.