Wanzenarten -Titel

Wanzen haben durch ihre Anpassungsfähigkeit unzählige Lebensräume erobert. Mit dem Wissen um die entscheidenden Merkmale können Sie Wanzen ganz einfach bestimmen und Ihrer Art zuordnen.

Auf den Punkt gebracht

  • Rund 3000 Arten unterschiedlicher Wanzen sind in Europa zu finden
  • Durch Klimawandel und Globalisierung leben heute viele Wanzenarten bei uns, die es hier ursprünglich nicht gab
  • Die allermeisten Arten ernähren sich streng pflanzlich, etwa von Pflanzensäften
  • Ein wesentliches Merkmal jeder Wanzenart ist die Form und Farbe des Rückenschilds
  • Da sich viele Arten stark ähneln, kommt es für die Unterscheidung häufig auf ein untergeordnetes, nur schwer erkennbares Merkmal in Form, Farbe oder Lebensgewohnheit an

Wanzenarten

Wanzen stellen mit rund 3.000 in Europa auftretenden Arten eine enorme Vielfalt in der Insektenwelt dar. Dazu zählen sowohl schon immer bei uns heimische Arten, als auch aus anderen Ländern oder sogar Kontinenten eingeschleppte oder eingewanderte Wanzenarten:

Baumwanzen

Beerenwanze (Dolycoris baccarum)

  • Größe: 10 bis 12 Millimeter
  • Erscheinung: Grundfarbe graubraun, rötlich-violette Deckflügel, hell gelbes Schildchen, Seitenränder des Hinterleibs schwarz-weiß geringelt, Unterseite, Kopf und Halsschild behaart
  • Aufenthalt: Gebüsche, Waldränder, Wiesen, Gärten
  • Anzutreffen: Überwinterer ab Juni, neue Generation ab August bis Spätherbst
  • Nahrung: Beerensäfte, Blattläuse und Insekteneier
  • Schmuckwanze / Schwarzrückige Gemüsewanze (Eurydema ornata)
  • Größe: rund 7 bis 9 Millimeter
  • Erscheinung: Grundfarbe von weiß über gelb bis hin zu leuchtend orange und rot möglich, Haltschild mit 6 schwarzen Flecken
  • Aufenthalt: trockenwarme Offenlandschaften
  • Anzutreffen: Mai bis September
  • Nahrung: Pflanzensäfte
Beerenwanze

Tipp: Diese Wanzen werden oft mit den viel häufigeren Eurydema dominulus verwechselt. Eindeutiges Merkmal ist der schwarze „Schmierfleck“ entlang der seitlichen Ränder der Deckflügel

Streifenwanze (Graphosoma lineatum)

  • Größe: 8 bis 12 Millimeter
  • Erscheinung: Oberseite mit markanten schwarz-roten Längsstreifen, Unterseite rötlich mit schwarzen Punkten
  • Aufenthalt: sonnigwarmen Wiesen und Hänge, Gebüschsäume, Böschungen
  • Anzutreffen: April bis September
  • Nahrung: Pflanzensäfte
Streifenwanze

Hinweis: Ein weiteres markantes Merkmal dieser Tiere ist ihr Geruch. Er erinnert an alte Äpfel.

Stachelwanzen

Stachelwanze (Acanthosoma haemorrhoidale)

  • Größe: 15 bis 18 Millimeter
  • Erscheinung: große, kontrastreich gefärbte Wanze mit grünem, schwarz punktiertem Schildchen mit roter Einrahmung, grüne Beine mit rotbraunen Tarsen
  • Aufenthalt: Gebüsche, Waldränder, Gärten
  • Anzutreffen: Mai bis November
  • Nahrung: Obst- und Pflanzensäfte
Stachelwanze
Quelle: David Short from Windsor, UK, Hawthorn shieldbug (BG) (7137856703), bearbeitet von Plantopedia, CC BY 2.0

Bunte Blattwanze (Elasmostethus interstinctus)

  • Größe: 9 bis 12 Millimeter
  • Erscheinung: Kopf und Halsschild grün, Flügeldecken und Schildchen variabel von rot bis bräunlich, Beine gelb-grünlich bis grün
  • Aufenthalt: Laubbäume, Gebüsche, Gärten, häufig Birken oder Erlen, sowie Weißdorn
  • Anzutreffen: Mai bis November
  • Nahrung: vor allem Säfte der Blüten und Kätzchen
Bunte Blattwanze
Quelle: Quartl, Elasmostethus interstinctus qtl1, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Erdwanzen

Erdwanze (Cydnidae)

  • Größe: rund 3 Millimeter
  • Erscheinung: runder Körperbau mit stark gewölbten Deckflügeln, dunkelgrüne bis schwarze Färbung
  • Aufenthalt: meist unter der Grundblattrosette der Wirtspflanzen (v.a. Stauden)
  • Anzutreffen: April bis Oktober
  • Nahrung: Pflanzensäfte
Erdwanze
Quelle: picture taken by Olei, Tritomegas.sexmaculatus.6887, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Kugelwanzen

Kugelwanze (Coptosoma scutellatum)

  • Größe: 3,6 bis 4,5 Millimeter
  • Erscheinung: halbkugelig gewölbt, schwarz mit bläulichem, grünlichem oder bronzefarbenem Glanz
  • Aufenthalt: Sand- und Kiesgruben, Magerrasen, Binnendünen
  • Anzutreffen: Ende April bis September
  • Nahrung: Pflanzensäfte
Kugelwanze
Quelle: Darius Baužys, Coptosoma scutellatum in Lithuania, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Schildwanzen

Gemeinde Getreidewanze (Eurygaster maura)

  • Größe: 8 bis 11 Millimeter
  • Erscheinung: braun mit gewölbtem Halsschild, zwei weiße Flecken auf Höhe des zweiten Beinpaares auf dem Rücken, rotbraune Beine
  • Aufenthalt: trockene Wiesen, Halbtrockenrasen, Getreidefelder
  • Anzutreffen: ganzjährig außerhalb Frostperioden
  • Nahrung: Säfte von Gräsern und Getreidepflanzen
Gemeine Getreidewanze
Quelle:Didier Descouens, Eurygaster maura MHNT dos, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Schildkrötenwanze (Eurygaster testudinaria)

  • Größe: 8 bis 11 Millimeter
  • Erscheinung: verwaschen braun bis grünbraun, ovaler Umriss, sehr flacher Körperbau mit schwarzem „Schmier“ entlang der hinteren Schildränder
  • Aufenthalt: feuchte Wiesen, sumpfige oder moorige Offenlandbiotope
  • Anzutreffen: ganzjährig
  • Nahrung: Säfte von Seggen, Binsen und Gräsern
Schildkrötenwanze
Quelle: Darius Baužys, Eurygaster testudinaria LT, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Leder- / Randwanzen

Rhombenwanze (Syromastus rhombeus)

  • Größe: 9,5 bis 11,5 Millimeter
  • Erscheinung: braun, arttypischer rhombenförmiger Hinterleib, charakteristische Fühler mit zweitem Glied in orange und drittem Glied in schwarz
  • Aufenthalt: über alle Biotope weit verbreitet, außer norddeutsche Tiefebene
  • Anzutreffen: ab Ende Juni
  • Nahrung: Säfte von Nelkengewächsen
Rhombenwanze
Quelle: Luis Fernández García, Syromastus rhombeus 20110508a, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0

Amerikanische Kiefern- oder Zapfenwanze (Leptoglossus occidentalis)

  • Größe: 16 bis 19 Millimeter
  • Erscheinung: braun mit feiner, zickzackförmiger Zeichnung in weiß auf den Deckflügeln, schwarz-weiß gefleckter hinterer Rand des Schilds
  • Aufenthalt: als invasive Art vorwiegend im Siedlungsbereich auf Dachböden, in Kellern etc.
  • Anzutreffen: ganzjährig
  • Nahrung: Samen und Blüten von Nadelgehölzen
Amerikanische Kiefernwanze
Quelle: Sjonnoh, Bladpootwants (3), bearbeitet von Plantopedia, CC0 1.0

Hinweis: Diese Art ist ursprünglich nicht in Deutschland heimisch, hat sich aber gerade in besiedelten Gebieten rasch etabliert.

Feuerwanzen

Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus)

  • Größe: 9 bis 12 Millimeter
  • Erscheinung: leuchtend rote Grundfärbung mit typischer schwarzer Zeichnung, Beine, Kopf und Fühler schwarz, langgestreckter, ovaler Körper
  • Aufenthalt: sonnige ,warme Plätze, besonders gerne auf Linden oder Malvengewächsen
  • Anzutreffen: ganzjährig außerhalb der Frostperiode
  • Nahrung: Pflanzensäfte
Pyrrhocoris apterus

Hinweis: Die Feuerwanze ist als eine der wenigen Wanzenarten typischerweise in großen Gruppen anzutreffen.

Raubwanzen

Geringelte Mordwanze (Rhynocoris annulatus)

  • Größe: 11 bis 15 Millimeter
  • Erscheinung: schwarze Wanze mit auffällig rot geringelten Beinen und rot-schwarz geflecktem Seitenrand
  • Aufenthalt: verschiedene Lebensräume, häufig an lichten Waldrändern und auf Wiesen
  • Anzutreffen: Mai bis September
  • Nahrung: räuberisch: Läuse, Insekteneier, Schmetterlingslarven etc.
Geringelte Mordwanze
Quelle: anonym, Rhinocoris annulatus 20060511 790, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Blind- / Weichwanzen

Braungelber Fax (Pinalitus cervinus)

  • Größe: 3,8 bis 4,5 Millimeter
  • Erscheinung: variable Färbung von gold-gelb über rot-braun bis grünlich, zweites Fühler ab Ende des zweiten Glieds schwarz, Vorderflügel teils transparent, schwach behaart
  • Aufenthalt: auf Büschen und Bäumen; Wälder, Gebüsche, Parks, Gärten
  • Anzutreffen: Mai bis November
  • Nahrung: Pflanzensäfte
Braungelber Fax
Quelle: Bj.schoenmakers, Pinalitus cervinus (Miridae sp.), Elst (Gld), the Netherlands, bearbeitet von Plantopedia, CC0 1.0

Gemeine Zierwanze (Adelphocoris lineolatus)

  • Größe: 8 bis 11 Millimeter
  • Erscheinung: Grundfarbe grünlich bis bräunlich, zwei gut sichtbare Längsstreifen auf den Deckflügeln, dunkle Spitze des Hinterleibs, Beine charakteristisch mit kleinen Dornen besetzt
  • Aufenthalt: Offenland, Wiesen, Ruderalflächen, Waldränder
  • Anzutreffen: Ende Juni bis Oktober
  • Nahrung: Pflanzensäfte, Larven räuberisch von Kleininsekten
Gemeine Zierwanze
Quelle: Line Sabroe from Denmark, Adelphocoris lineolatus (16550091205), bearbeitet von Plantopedia, CC BY 2.0

Schwarzrote Weichwanze (Capsus ater)

  • Größe: 5,3 bis 6,1 Millimeter
  • Erscheinung: Männchen komplett schwarz, Weibchen schwarz mit orangerotem bis rotem Halsschild und Kopf, Beine Schwarz bis rötlich
  • Aufenthalt: naturnahe Wiesen
  • Anzutreffen: Mai bis August
  • Nahrung: Pflanzensäfte von Süßgräsern
Schwarzrote Weichwanze
Quelle: Line Sabroe from Denmark, Capsus ater (16741139922), bearbeitet von Plantopedia, CC BY 2.0

Gelbhals-Springwanze (Halticus luteicollis)

  • Größe: 2,8 bis 3,6 Millimeter
  • Erscheinung: schwarz, oranger Halsschild und Kopf, Beine und Fühler orange, stark verdicktes letztes Beinpaar als Sprungbeine
  • Aufenthalt: Krautschicht sonnig-warmer Biotope, beliebt auch Clematis
  • Anzutreffen: Juni bis September
  • Nahrung: Pflanzensäfte
Gelbhals-Springwanze
Quelle: Sanja565658, Halticus luteicollis 01, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 3.0

Wasserläufer

Gemeiner Wasserläufer (Gerris lacustris)

  • Größe: 8 bis 11 Millimeter
  • Erscheinung: dunkle Körperfärbung, stark langgestreckter, schmaler Körper, extrem lange Beine als bestechendes Merkmal
  • Aufenthalt: kleine Stillgewässer, wie Teiche oder Tümpel
  • Anzutreffen: Ende April bis Oktober
  • Nahrung: Insekten
Gemeiner Wasserläufer

Häufig gestellte Fragen

Sind Wanzen für den Menschen gefährlich?

Die allermeisten Wanzenarten sind völlig harmlos und höchstens auf Grund des ausgestoßenen Duftsekrets etwas unangenehm. Einige Arten ernähren sich als stark individuelles Merkmal räuberisch. Auch sie stellen aber keine Gefahr für den Menschen dar, da sie lediglich Insekten angreifen.

Stehen Wanzen unter Artenschutz?

Auch wenn Sie von vielen Arten nur einzelne Exemplare antreffen werden, sind die Populationen so stabil, dass kein Bedarf einer artenschutzrechtlichen Einstufung besteht. Wenige geschützte Arten besiedeln dagegen vor allem so individuelle Nischen der Ökosysteme, dass Sie diese Tiere kaum antreffen werden.

Es gibt immer mehr Wanzen. Woran liegt das?

Die letzten Jahre waren in Bezug auf die Fortpflanzungsbedingungen für die Wanze sehr günstig. Warme Winter haben dafür gesorgt, dass besonders viele Tiere überlebt haben und sich im Frühling rasch fortpflanzen konnten. Es ist aber davon auszugehen, dass der nächste „normal kalte“ Winter wieder zu einem Rückgang der zu erkennenden Tiere führen dürfte.