Rhododendronzikade bekämpfen

Bleibt im Frühjahr plötzlich die überwältigende Blüte bei einem Rhododendron im eigenen Garten aus, lohnt eine genauere Untersuchung. Oft ist ein unscheinbarer Übeltäter am Werk, der ein charakteristisches Schadbild hinterlässt: die Knospenbräune. Sie erinnert auf den ersten Blick an einen Frostschaden. In Wirklichkeit handelt es sich um einen Pilz, der durch Rhododendronzikaden übertragen wird. Wie Sie die Insekten bekämpfen und einem Befall vorbeugen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Schadbild

Gerade bei größeren Pflanzen fällt die Blütenpracht im Frühjahr oft überwältigend aus. Schreitet der Mai voran und der Rhododendron entwickelt nur spärlich Blüten, stimmt etwas nicht. In vielen Fällen ist nicht der strenge Winter schuld, wenn die Blütenknospen nicht saftig grün, sondern dunkel gefärbt und abgestorben sind. Der eigentliche Übeltäter für dieses eindeutige Schadbild, der sogenannten Knospenbräune, ist ein unscheinbarer Pilz (Pycnostysanus azaleae). Bei genauerer Betrachtung sind über die gesamte Knospe feine schwarze Pilzfäden erkennbar. In diesem Fall sind die Blütenknospen bereits vollständig abgestorben und nicht mehr zu retten.

  • Knospen öffnen sich nicht
  • bräunlich-schwarze Färbung
  • abgestorben
  • dunkle, etwa 1 bis 2 mm lange, haarige Pilzstrukturen auf der Oberfläche
  • zum Ende hin kugelige Verdickung der Fäden
  • ab April auch helle Flecken blattoberseits erkennbar (durch Saugen der Larven)
  • grüngelb gefärbte Larven auf der Blattunterseite
  • Häutungsreste der Larven erkennbar
Rhododendronzikade verursacht Knospenbräune
Rhododendronzikade verursacht Knospenbräune

Rhododendronzikaden

Der Pilz alleine würde keinen so großen Schaden anrichten, hätte er nicht einen Helfer. Bei dem Überträger des Rhododendronpilzes handelt es sich um Rhododendronzikaden (Graphocephala coccinea oder G. fennahi). Das etwa ein Zentimeter große, hellgrüne Insekt mit den auffälligen roten Streifen auf dem Rücken nutzt die Pflanze für die Eiablage. Ab Ende Juli sind im Garten die grün-roten Zikaden anzutreffen. Berührt man den Rhododendron, springen die Zikaden auf und verstecken sich auf der Blattunterseite. Ursprünglich sind Rhododendronzikaden keine heimischen Schädlinge. Sie stammen aus Nordamerika und wurden vor rund 100 Jahren zunächst nach Großbritannien und von dort aus nach Mitteleuropa eingeschleppt. Bei uns sind Rhododendronzikaden seit den 1970er Jahren erstmals zum Problem geworden.

Rhododendronzikade
Rhododendronzikade

Larven

Während die erwachsenen Rhododendronzikaden nicht mehr auf den Rhododendron als Nahrungsquelle angewiesen sind, sieht das bei den Larven anders aus. Nach der Eiablage im Spätsommer und Herbst überwintern die Eier der Zikade in den Knospen. Im April schlüpfen die gelblichen, flugunfähigen Larven und sind dann bei näherer Betrachtung auf den Blattunterseiten erkennbar. Die Larven sind nach dem Schlüpfen bereits sehr agil und zu diesem Zeitpunkt auf Rhododendren als einzige Nahrungsquelle angewiesen. Während ihrer Entwicklung zur ausgewachsenen Rhododendronzikade häuten sich die Larven bis Anfang Juli mehrfach. Zwar saugen die Larven die Pflanzensäfte auf der Blattunterseite des Rhododendrons, verursachen dabei aber in der Regel kaum Schäden.

Infektion

Ein Befall mit Rhododendronzikaden macht dem Strauch wenig aus. Die weibliche Rhododendronzikade ritzt feine Schlitze in die Rhododendronknospen, um darin jeweils ein Ei abzulegen. Die Eier und die Larven selbst verursachen jedoch nicht das charakteristische Schadbild an den Rhododendronknospen. Gefährlich für die Pflanzen sind die feinen Wunden, die eine Eintrittsöffnung für den Schaderreger der Knospenbräune darstellen. Es handelt sich dabei um einen Pilz namens Pycnostysanus azaleae. Für das Auge sichtbar sind nur die Fruchtkörper des Pilzes, die als feine schwarze Härchen mit kugeliger Verdickung am Ende die Knospe überziehen und für das spezielle Schadbild sorgen.

Zwar benötigt der Pilz nicht zwingend diese Wunden, um den Rhododendron zu infizieren. Ist die schützende Haut der Pflanze jedoch verletzt, kann der Pilz deutlich schneller und einfacher in den Rhododendron eindringen. Der Befall wird leider immer erst im Frühjahr erkennbar, da vorher keine sichtbaren Symptome auftreten.

schwarz-braun verfärbte Rhododendronknospe
schwarz-braun verfärbte Rhododendronknospe

Bekämpfung

Generell stellt sich die Frage, welchen der beiden Schädlinge, die an der Infektion des Rhododendrons beteiligt sind, man nun am besten bekämpfen soll. Da eine direkte Vorgehensweise gegen den Pilzerreger nicht möglich ist, bleibt nur die indirekte Methode, die Rhododendronzikade rechtzeitig mit geeigneten Mitteln zu bekämpfen.

Zeitpunkt

Da der Pilz im Sommer bei der Eiablage in die Pflanze eindringt, ist es sinnvoll, bereits im Frühsommer den Kampf gegen die Rhododendronzikaden aufzunehmen, um vorzubeugen, dass die Pflanze überhaupt infiziert wird. Hilfreich beim Bekämpfen des Insektes ist, dass die Zikade nur einmal im Jahr Eier ablegt. Es gilt daher, diesen Kreislauf zu unterbrechen, indem Sie einer Eiablage vorbeugen.

  • Zeitpunkt zum Bekämpfen der Larven: Mai bis Mitte Juli
  • Zeitpunkt der Eiablage: August bis September

Früherkennung

Um die Rhododendronzikaden vor der Eiablage zu entdecken, ist ab Juli ein gelegentlicher Blick auf den Rhododendron notwendig. Vor allem die Blattunterseite und die Knospenansätze sollten dabei genau betrachtet werden. Eine Überwachung ist ganz leicht mit leimüberzogenen Gelbtafeln möglich. Im Handel gibt es spezielle Gelbfallen, mit denen die flugfähigen, erwachsenen Zikaden abgefangen werden können. Ist der Rhododendron von den Insekten befallen, werden früher oder später Zikaden an der Tafel kleben. Diese sollten ab Juni in und über den gefährdeten Rhododendren aufgehängt werden.

Pflanzenschutzmittel

Bei einem sehr starken Befall kommt man kaum um ein Pflanzenschutzmittel herum. Bevor die ersten Zikaden ihre Eier in den Knospen ablegen, ist Handeln angesagt. Hierzu gibt es im Handel Systemgifte, die gegen Rhododendronzikaden wirken.

  • natürliche Bekämpfung mit Pyrethrin
  • selbst hergestellte Brühen mit Neemöl oder Neemschrot
gelb-braun verfärbte Rhododendronblätter
gelb-braun verfärbte Rhododendronblätter

Richtig spritzen

Die oben genannten Pflanzenschutzmittel werden im Spritzverfahren angewendet. Beachten Sie unbedingt die vom Hersteller angegebenen Sicherheitshinweise, um eine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt so gering wie möglich zu halten. Zusätzlich gilt es ein paar grundlegende Dinge einzuhalten, damit das Mittel effektiv wirken kann. Generell sind erwachsene Zikaden relativ widerstandsfähig gegenüber Insektenbekämpfungsmitteln. Aus diesem Grund sollten Sie gegen die Zikaden bereits im Larvenstadium vorgehen, insofern dies möglich ist.

  • vorzugsweise die frühen Morgenstunden zur Bekämpfung nutzen
  • durch die nächtliche Kälte sind die Insekten weniger beweglich
  • auch Blattunterseite komplett besprühen
  • Vorgang im ein- bis zweiwöchentlichen Rhythmus wiederholen
  • insgesamt mindestens dreimal

Blätter

Da die Blätter des Rhododendrons über eine Wasser abweisende Schicht verfügen, empfehlen professionelle Gärtner, das Spritzmittel mit ein paar Tropfen Spülmittel zu versetzten. Die Tenside beeinträchtigen die Wirkung des Mittels nicht, sondern sorgen lediglich dafür, dass sich die Oberflächenspannung verändert und die Blätter gleichmäßiger benetzen.

Rhododendronzikade auf Rhododendronblatt
Rhododendronzikade auf Rhododendronblatt

Chemische Mittel

Erst dann, wenn diese Pflanzenschutzmittel bei einem sehr starken Befall keine Wirkung zeigen, sollte unter Umständen zu chemischen Mitteln gegriffen werden. Um das Risiko einer Infektion zu minimieren, sollten alle befallenen Knospen im Frühjahr herausgebrochen werden. Entsorgen Sie die Knospen nicht im Garten, auf dem Kompost oder der Biotonne, sondern geben Sie die Abfälle in den Hausmüll, damit sich der Pilz nicht weiter ausbreiten kann.

Vorbeugen

Ist ein Rhododendron erst einmal befallen, breitet sich der Pilz im Laufe der Jahre immer weiter aus. Nichts gegen die Rhododendronzikaden zu tun, wäre deshalb die falsche Lösung. Letztendlich kommt keine einzige Blüte mehr zur Reife und das ganze Gehölz ist voller abgestorbener Knospen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie in der Folgezeit einem erneuten Befall vorbeugen. Wer keine Gifte einsetzen möchte, braucht etwas mehr Geduld und das richtige Timing. Zum Vorbeugen ist das sofortige Herausbrechen und Entsorgen abgestorbener Knospen wichtig. Damit verringert sich Chance von weiteren oder stärkeren Pilzinfektionen.

  • regelmäßige Kontrolle der Blütenknospen ab dem Frühjahr
  • finden sich braune oder schwarze Stellen: sofort herausbrechen
  • Gelbtafeln ab Mitte Juni bis September aufhängen
  • bei kleineren Sträuchern: licht- und luftdurchlässiges Vlies um die Pflanze binden

Optimale Bodenbedingung

Gesunde, kräftige Pflanzen sind zwar nicht vollständig resistent gegenüber Schädlingen, sie werden jedoch weniger häufig befallen. Sollte doch einmal der Schadpilz auftreten, so ist das Ausmaß des Schadens doch deutlich geringer als bei geschwächten Rhododendren. Es gilt daher, für optimale Standort- und Bodenbedingungen zu sorgen.

  • saurer Boden
  • idealer pH-Wert: um 5
  • verwitterter Waldboden
  • Erde für Moorbeetpflanzen oder Rhododendronerde
  • pH-Wert regelmäßig kontrollieren
  • leicht feucht
  • trockene Standorte meiden
Rhododendron-Strauch im Garten
Rhododendron-Strauch im Garten

Optimale Vorgehensweise

Einen Rhododendron, der von der Knospenbräune befallen ist, wieder völlig zikadenfrei zu bekommen, ist in der Regel eine langwierige Sache. Wer jedoch alle Bekämpfungsmethoden sowie vorbeugende Maßnahmen sinnvoll kombiniert und diese konsequent anwendet, kann die Rhododendronzikaden im optimalen Fall in nur einer einzigen Saison ausrotten. Denn wird die Eiablage verhindert, gibt es im Folgejahr keine neue Generation an Zikaden.

Rhododendronsorte

Richtige Rhododendronsorte wählen

Das Auftreten des Pilzes mit seinem charakteristischen Schadbild ist glücklicherweise auf die Knospe beschränkt. Nur in sehr seltenen Fällen, beispielsweise bei stark geschwächten Pflanzen, geht er auch in den darunter liegenden Triebabschnitt über. Besonders anfällig für den Pilz sind großblumige Rhododendronhybriden. Allerdings treten hier deutliche Unterschiede bei den einzelnen Sorten auf. Wer sich also neue Pflanzen anschafft, kann deshalb in Erwägung ziehen, auf besser resistente Zuchtformen zurückzugreifen. Sie sparen sich unter Umständen jede Menge Ärger und Arbeit, wenn Sie gleich eine dieser Sorten in Ihren Garten pflanzen.

Rhododendron mit rosa Blütenfarbe
Rhododendron mit rosa Blütenfarbe
  • besonders anfällig: großblütige Catawbiense-Hybriden
  • unempfindlicher sind: Berliner Liebe, Nova Zembla, Progres und Goldbukett
  • kaum Befall bei Japanischen Azaleen, Williamsianum-, Repens- und Yakushimanum-Hybriden
  • ungünstige Standorte fördern den Befall

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