Eidechsen-Arten -Titel

Glauben Sie, Eidechsen kämen nur in fernen Ländern vor? In Deutschland sind sechs Eidechsenarten heimisch. Doch die flinken Tiere sind bedroht. Ihr Lebensraum verschwindet und Möglichkeiten zum Überwintern fehlen.

Auf den Punkt gebracht

  • Eidechsen leben in warmen Regionen
  • sie ernähren sich von Insekten, Würmern, Schnecken
  • naturnahe Gartengestaltung trägt zum Schutz der Tiere bei
  • Tiere überwintern in Holzstapeln, Felsspalten, Kompost- und Steinhaufen

Wissenswertes

Die heimischen Eidechsen zählen zu den Kriechtieren. Kennzeichen der Eidechse sind der langgestreckte Körper und ein langer Schwanz. Die meisten Eidechsenarten verfügen über vier kurze Gliedmaßen. Auffällig sind die durch Lider verschließbaren Augen.
Die Nahrung der Eidechsen besteht aus Würmern, Spinnen, Käfern, Heuschrecken und Schnecken. Sie bevorzugen warme sonnige Gebiete. Eidechsen überwintern in Komposthaufen, Holzstapeln, Astlöchern, Mauselöchern und Felsspalten.
Die Gründe für das Verschwinden heimischer Eidechsenarten sind u. a.:

  • Rückgang der Kleingewässer
  • Verwendung von Unkraut- und Insektengiften
  • Gewässerverschmutzung
  • Intensivierung der Landwirtschaft
  • Intensivierung von Fischzucht und Angelsport
  • Straßenverkehr
  • Erweiterung der Siedlungs- und Verkehrsflächen

Blindschleiche (Anguis fragilis)

Die Blindschleiche ist keine Schlange, sondern eine beinlose Eidechse. Die Extremitäten der Blindschleiche gingen im Laufe der Anpassung an das Leben in Bodengängen verloren. Sie hat einen schlangenähnlichen Körper. Kopf und Schwanz sind nicht vom Körper abgesetzt. Jeder Hobbygärtner sollte etwas zum Schutz der Tiere tun. Schließlich gehören Nacktschnecken zur bevorzugten Nahrung der Blindschleichen.

Die Blindschleiche (Anguis Fragilis) ist eine Eidechse
  • Größe: bis 45 Zentimeter
  • Grundfarbe: grau bis braun
  • Bauchfärbung: bläulich bis schwarz-grau
  • Rückenfärbung: Rückenmitte mit dunkler Linie, kupferfarbener Schimmer
  • Merkmal: Jungtiere mit silbergrauer Färbung und dunklem Rückenstreifen
  • Paarungszeit: März bis Mai
  • Vermehrung: lebendgebärend, Jungtiere werden nach drei Monaten geboren
  • Vorkommen: Wälder, Wegränder mit leicht feuchten Böden
  • Verbreitung: fast überall in Europa

Übrigens, die Blindschleiche ist nicht blind. Der Name stammt von „Blende“, der Bezeichnung für Mineralien mit einer glänzenden, schimmernden Oberfläche. Die meisten Blindschleichen haben diesen kupferfarbenen Schimmer.

Kroatische Gebirgseidechse (Iberolacerta horvathi)

Eine kleine Eidechsenart ist die Kroatische Gebirgseidechse. Sie erreicht höchstens eine Länge von 18 Zentimetern, wobei der Schwanz zwei Drittel ausmacht. Schnell wird die Kroatische Gebirgseidechse mit der Mauereidechse verwechselt.

kroatische Gebirgseidechse
Quelle: Benny Trapp, Benny Trapp Kroatische Gebirgseidechse Iberolacerta horvathi, bearbeitet von Plantopedia, CC BY 3.0
  • Größe: 16 bis 18 Zentimeter
  • Grundfarbe: grün-braun
  • Bauchfärbung: gelb bis gelb-grün
  • Rückenfärbung: grün-braun oder grau, dunkel gesprenkelt
  • Merkmal: Seiten mit scharf abgegrenzten Bändern, bei männlichen Tieren dunkelbraun, bei weiblichen rotbraun
  • Paarungszeit: Mai bis Juni
  • Vermehrung: Eiablage, Jungtiere schlüpfen nach etwa sechs bis acht Wochen
  • Vorkommen: steinig-felsige Gebiete mit vielen Spalten, in Geröllhalden und an Bachläufen
  • Verbreitung: Alpen, an der Grenze zu Österreich

Hinweis: Die Kroatische Gebirgseidechse ist in Deutschland sehr selten. Erst in den achtziger Jahren wurde sie im deutschen Alpenraum nachgewiesen. Ihre Hauptverbreitungsgebiete liegen in Kroatien, Slowenien, Italien und Österreich.

Mauereidechse (Podarcis muralis)

Eine zierliche und besonders flinke Eidechsenart ist die Mauereidechse. Sie gilt als die einzige mitteleuropäische Eidechse, die in der Lage ist, an senkrechten Mauern aufwärts und abwärts zu klettern.

Mauereidechse (Podarcis muralis)
  • Größe: 16 bis 19 Zentimeter
  • Grundfarbe: grau-braun, leicht rötlich oder grünlich
  • Bauchfärbung: weißlich, gelblich oder orange
  • Rückenfärbung: grau-braun mit dunklen Flecken oder bei männlichen Tieren mit netzartiger Zeichnung
  • Merkmal: Flanken mit breiten, dunkel gefleckten Rändern
  • Paarungszeit: März bis Juni
  • Vermehrung: Eiablage, Jungtiere schlüpfen nach etwa sieben bis zehn Wochen
  • Vorkommen: südlich ausgerichtete Trockenhänge mit geringer Vegetation, Weinberge
  • Verbreitung: überall in Europa, vor allem im nördlichen Mittelmeerraum

Hinweis: Heute ersetzen fugenlose Betonmauern die alten Steinmauern. Damit verschwindet ein wichtiger Lebensraum der Mauereidechsen.

Smaragdeidechsen

Östliche Smaragdeidechse (Lacerta viridis) und Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata)

Die beeindruckendste und mit bis zu 40 Zentimetern größte mitteleuropäische Eidechse ist die Smaragdeidechse. Sie kann nur noch in Deutschland, Kroatien und Italien beobachtet werden. Erst 1991 erkannten Forscher, dass es sich bei der Östlichen und der Westlichen Smaragdeidechse um verschiedene Spezies handelt. Die beiden Arten sind hauptsächlich auf Grund ihrer Verbreitung zu unterscheiden.
Zur Nahrung der Smaragdeidechsen zählen neben Insekten, Würmern und Schnecken auch Jungmäuse.
Übrigens, die schöne grüne Färbung der Smaragdeidechsen entwickelt sich erst im Laufe der ersten drei Lebensjahre. Die Jungtiere sind braun. Smaragdeidechsen können zehn bis zwölf Jahre alt werden.

Die Smaragdeidechse (Lacerta viridis) ist eine große Eidechsen Art
Östliche Smaragdeidechse
  • Größe: 30 bis 40 Zentimeter
  • Grundfarbe: hell- oder dunkelgrün
  • Bauchfärbung: hellgrün
  • Rückenfärbung: grün-braun
  • Merkmal: männliche Tiere mit auffälliger kornblumenblauer Kehlfärbung in der Zeit der Paarung
  • Paarungszeit: April bis Mai
  • Vermehrung: Eiablage, Jungtiere schlüpfen nach etwa zwei Monaten
  • Vorkommen: Randbereich von Weinbergen und Obstgärten, Trockenmauern
  • Verbreitung der Westlichen Smaragdeidechse: Alpennordseite und warme Weinbauregionen
  • Verbreitung der Östlichen Smaragdeidechse: Rheinland-Pfalz, Rheintal, Weinbauregionen an Mosel und Nahe

Hinweis: Smaragdeidechsen leben in einer strengen Hierarchie. In sogenannten „Kommentkämpfen“ kämpfen die männlichen Tiere um ihren Rang. Dabei beißen sie sich in die Hinterköpfe, was zu ernsten Verletzungen führen kann. Das unterlegene Tier ergreift die Flucht.

Waldeidechse (Lacerta vivipara)

Die Waldeidechse ist auch als Berg- oder Mooreidechse bekannt. Sie ist die kleinste heimische Eidechsenart. Charakteristisch ist ihr sogenanntes Halsband, eine Reihe großer Schuppen an der Halsunterseite.

Waldeidechse (Lacerta vivipara)
Quelle: Leo-setä, I’m gonna grow up to be an alligator!, bearbeitet von Plantopedia, CC BY 2.0
  • Größe: 13 bis 16 Zentimeter
  • Grundfarbe: dunkelbraun
  • Bauchfärbung: Weibchen mit grauem Bauch, Männchen mit gelbem oder orangefarbenem Bauch
  • Rückenfärbung: dunkler Mittelstreifen und breiter Seitenstreifen, dazwischen gelbe und dunkle Flecken
  • Merkmal: kleine Schuppen am Rücken, große Schuppen an der Bauchseite
  • Paarungszeit: Mai bis Juni
  • Vermehrung: lebendgebärend, Jungtiere werden 2 bis 3 Monate nach der Paarung geboren, sie haben eine bronzefarbene Färbung und einen schwarzen Schwanz
  • Vorkommen: Waldränder mit mittelhoher Vegetation, sumpfiges Gelände
  • Verbreitung: vor allem in den deutschen Mittelgebirgsregionen

Zauneidechse (Lacerta agilis)

Die Zauneidechse ist überall in Deutschland heimisch. Im Vergleich zu anderen Arten wirkt die Zauneidechse plumper und gedrungener. Sie ist tagaktiv.

Die Zauneidechse (Lacerta Agilis) ist eine typische Eidechsen Art in Deutschland
  • Größe: 20 bis 27 Zentimeter
  • Grundfarbe: braune
  • Bauchfärbung: Weibchen mit cremefarbenem Bauch, Männchen mit grünlichem Bauch und smaragdgrün gefärbten Seiten in der Zeit der Paarung
  • Rückenfärbung: braun mit einem auffälligen Muster aus dunklen Flecken, hellen Punkten und hellen Streifen
  • Merkmal: flache Schnauze, Augenfarbe rot bis goldgelb
  • Paarungszeit: Ende April bis Juni
  • Vermehrung: Eiablage vier Wochen nach der Paarung, Eier werden an warmen, sonnigen Stellen vergraben, Jungtiere schlüpfen nach 5 bis 9 Wochen
  • Vorkommen: Mauern, Steinhaufen, Trockenrasen, Waldwege
  • Verbreitung: überall in Deutschland

Hinweis: Die Zauneidechse wurde zum Reptil des Jahres 2020 gewählt.

Häufig gestellte Fragen

Wie kann man einen Beitrag zum Eidechsenschutz leisten?

Jeder Hobbygärtner kann zum Schutz der wertvollen Tiere beitragen, auch wenn das Gartengrundstück klein ist. Verzichten Sie auf Pestizide und Insektengifte. Ein giftfreier Lebensraum ist entscheidend für die Kriechtiere. Schaffen Sie mit wenig Aufwand einen Lebensraum und eine Möglichkeit zum Überwintern für Eidechsen in Ihrem Garten! Für einen Holzstapel, eine Trockenmauer, Steinhaufen und sonnige Plätze mit geringer Vegetation findet sich überall ein Platz.

Können heimische Eidechsen ihren Schwanz abwerfen?

Ja, die heimischen Eidechsenarten sind in der Lage, bei Gefahr durch große Vögel oder Katzen ihren Schwanz abzuwerfen. Der abgeworfene Teil bewegt sich noch etwas und lenkt den Feind ab, während sich die Eidechse in Sicherheit bringen kann. Der Schwanz wächst meist nach, erreicht aber nicht wieder die ursprüngliche Länge.

Welche Feinde haben Eidechsen?

Eidechsen gehören zur natürlichen Nahrung von Greifvögeln, Mardern, Füchsen, Igeln und Schlangen. In bewohnten Gebieten stellt die Hauskatze eine große Gefahr für die Eidechsen dar. Der größte Feind der kleinen Reptilien ist jedoch der Mensch. Durch sein Wirken verschwinden die Lebensräume der heimischen Eidechsen.

Warum sind Eidechsen häufig an sonnigen Plätzen zu finden?

Eidechsen sind wechselwarm. Sie können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren. Daher benötigen sie einen sonnigen Platz, um sich aufzuwärmen. Steinhaufen, Mauersimse oder Gehwegplatten, die die Wärme der Sonne speichern, sind ideale Liegeplätze für die flinken Tiere. Insbesondere trächtige Weibchen der lebendgebärenden Arten verbringen viel Zeit in der Sonne. So können sich die Nachkommen optimal entwickeln.

Müssen Eidechsen ihre Eier ausbrüten?

Einige Eidechsenarten gebären lebendige Junge. Andere Arten legen Eier an einen sonnigen Ort. Eidechsen brüten ihre Eier nicht wie Hühner oder Vögel aus. Die Wärme der Sonne ist für die Entwicklung des Geleges erforderlich. Eidechseneier haben eine weiche Schale. Wenn die Entwicklung der Jungtiere abgeschlossen ist, durchbrechen sie die weiche Schale und schlüpfen heraus.