Nachtsinger - Titel

Es gibt nur wenige Vogelarten, die nachts zu hören sind. Dazu zählen einige Singvögel, aber vor allem Eulenvögel. Die häufigsten Nachtsinger werden hier vorgestellt.

Auf den Punkt gebracht

  • wenige Vögel singen nachts
  • abgesehen von Singvögeln rufen nächtliche Raubvögel
  • Spitzmäuse können mit Vogelgezwitscher verwechselt werden
  • in hellen Bereichen singen mehr Vogelarten nachts

Singvögel

Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)

Zu den häufig im Garten anzutreffenden Vögeln, die sehr zeitig am Morgen oder sogar nachts singen, gehört der Gartenrotschwanz. Als Halbhöhlen- oder Höhlenbrüter nutzt er gern alte Baumbestände.

Gartenrotschwanz
Quelle: Mandes Rupp, Gartenrotschwanz-männl.-1, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 4.0
  • Aussehen: Männchen sehr kontrastreich gefärbt, Gesichtsfeld, Kehle und Schnabel schwarz, weißer Überaugenstreif, Oberkopf bis zum Nacken grau, Brust orangrot, Bauch weißlich, Weibchen unscheinbarer, rotbraun bis beige
  • Ernährung: kleine Insekten, deren Larven, Spinnen, Beeren
  • Gesang: je Strophe drei wiederkehrende Teile, variabel, Imitationen anderer Singvögel, nachts längere Pausen

    Vorkommen: Als Langstreckenzieher überwintert der Gartenrotschwanz in Afrika. Im Sommer ist er von Europa bis Zentralasien heimisch. Er bevorzugt Gärten oder Parks, aber auch lichte Laubwälder.

Lerchen (Alaudidae)

Bekannt ist vor allem die Feldlerche, aber die Familie ist sehr artenreich. Grundsätzlich sind sie keine typischen Nachtsinger, doch kann man sie auch in hellen Nächten, etwa bei Vollmond hören. Da ihr Gesang sehr melodiös ist und sie gern andere Vogelstimmen nachahmen, werden sie leicht mit der Nachtigall verwechselt.

Lerche
Quelle: Neil Smith, Skylark (Alauda arvensis) by Neil Smith, bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 2.0
  • Aussehen: mittlere Größe, unscheinbar braun, kaum Geschlechtsunterschiede, Weibchen eventuell etwas kleiner und leichter
  • Ernährung: überwiegend Samen und Insekten
  • Gesang: abwechslungsreich, häufig Singflüge, von der Morgendämmerung bis zum Abend
  • Vorkommen: Lerchen gibt es weltweit. Die Feldlerche ist hauptsächlich in Asien und Europa verbreitet. Typischerweise bewohnt sie landwirtschaftlich genutzte Gebiete.

Nachtigall (Luscinia megarhynchos)

Der einzige Vogel, der tatsächlich tief in der Nacht singt, ist die Nachtigall. Meist ertönt ihre Stimme etwa um Mitternacht. Die Männchen suchen im Frühling nach paarungsbereiten Weibchen.

Nachtigall ist ein klassischer Nachtsinger
  • Aussehen: klein, etwa Haussperlingsgröße, unscheinbar braun gefärbt, kaum Geschlechtsunterschiede
  • Ernährung: Insekten, in kalter Jahreszeit auch Früchte von Sträuchern
  • Gesang: nur Männchen singen, wohltönend, abwechslungsreich, fantasievoll, Paarungsrufe nachts, Revierverteidigung tagsüber
  • Vorkommen: Nachtigallen sind in Europa, Asien und Nordafrika heimisch. Da sie Zugvögel sind, überwintern die europäischen Populationen in Afrika. Vom Menschen wurde die Nachtigall auch nach Australien gebracht.

Sumpfrohrsänger (Acrocephalus palustris)

Wie der Teichrohrsänger gehört auch der Sumpfrohrsänger zur Gattung der Rohrsänger und ist zwar weit verbreitet, wird aber selten als Nachtsinger wahrgenommen.

Sumpfrohrsänger
  • Aussehen: klein, unscheinbar braun-grau, kaum Geschlechtsunterschiede
  • Ernährung: Insekten, deren Larven und Spinnen
  • Gesang: spät abends bis in die Nacht, typische Rohrsänger-Klänge und imitierte Vogelstimmen
  • Vorkommen: Sumpfrohrsänger sind Zugvögel und in ganz Europa verbreitet. Sie ziehen am Ende des Sommers nach Afrika. Sie bewohnen dichte Gebüsche oder Schilfbestände in Gewässernähe. Zuweilen nisten sie auch in Getreidefelder.

Hinweis: Teichrohrsänger und Sumpfrohrsänger sind schwer zu unterscheiden.

Eulenvögel

Eulen gehören nicht zu den Singvögeln, ihre Rufe sind in der Nacht aber besonders charakteristisch. Daher kann man sie auch als Nachtsinger bezeichnen. Typisch für Eulen ist die nächtliche Lebensweise zu der nicht nur die Jagd, sondern auch die Fortpflanzung gehört. Da sie schon sehr früh im Jahr mit dem Brüten beginnen, sind ihre Rufe zu einer völlig anderen Jahreszeit zu hören, wie die Gesänge der Singvögel.

Hinweis: Wie viele Eulen es im Jahr gibt, hängt häufig direkt von der Größe der lokalen Mäusepopulation ab.

Schleiereule (Tyto alba)

Die Schleiereule gehört zu den schönsten europäischen Eulen. Typisch ist das helle Federkleid mit dem noch helleren, herzförmigen Gesichtsschleier.

Schleiereule
  • Aussehen: mittelgroß, schlank, Oberseite hellbraun, graue Gefiederzeichnung, Bauchseite hell, häufig weiß gefärbt, Augen dunkel
  • Ernährung: kleine Säugetiere, in Mitteleuropa hauptsächlich Mäuse und Spitzmäuse
  • Stimme: Im Gegensatz zu anderen Eulenarten gleicht der Ruf der Schleiereule eher einem lauten Kreischen.
  • Vorkommen: Schleiereulen sind weltweit verbreitet, hauptsächlich in wärmeren Zonen. Die mitteleuropäische Schleiereule besitzt eines der nördlichsten Verbreitungsgebiete. Sie kommt in offenen, strukturreichen Landschaften vor.

Uhu (Bubo bubo)

Der Uhu ist die größte europäische Eulenart. Er ist nicht so an den Menschen gewöhnt wie andere Eulen, die sogar in Gebäuden brüten oder jagen.

Uhu, Bubo bubo
  • Aussehen: Flügelspannweite über 150 cm, Weibchen werden größer und schwerer als die Männchen, das Gefieder ist braun, schwarz und rotbraun gefärbt, zur Tarnung im Geäst gesprenkelt, typische Federohren, die angelegt werden können, orangegelben Augen
  • Ernährung: nicht nur auf Kleinsäuger beschränkt, Kaninchen und Feldhasen, kleine Raubtiere, größere Vögel, auch andere Eulen
  • Stimme: Typisch ist der Balzruf des männlichen Uhus, dem er seinen Namen verdankt. Er ist weithin hörbar und gleich einem «buho», während das Weibchen mit einem «uhu» antwortet.
  • Verbreitung :Uhus sind in Europa, Afrika und Asien beheimatet. Sie bevorzugen Gebirge und Mittelgebirgsregionen. In stark landwirtschaftlich genutztem Flachland fehlt der Uhu teilweise ganz. Wenige Brutpaare nisten in Städten.

Waldkauz (Strix aluco)

Neben der Waldohreule ist der Waldkauz die häufigste Eulenart Mitteleuropas. Er bewohnt baumreiche Landschaften, die allerdings zwingend offene Flächen für die Jagd aufweisen müssen. Der Waldkauz ist ein Höhlenbrüter, bewohnt aber auch Gebäude.

Waldkauz, Strix aluco
Waldkauz, Strix aluco
  • Aussehen: kleine, gedrungene Eule, rindenähnlich gefärbtes Gefieder, sehr variabel gefärbt, Färbung hängt auch vom Lebensraum ab, keine Federohren, Weibchen schwerer als die Männchen, unwesentlich größer
  • Ernährung: Mäuse, bei zu wenig Kleinsäugern auch Kleinvögel
  • Stimme: Die Rufe der Waldkäuze sind in der Nacht weithin hörbar. Balzgesang und Reviergesänge beinhalten verschiedene Varianten des typischen «Hu». Weibchen antworten mit ihrem eigenen charakteristischen Ruf.
  • Vorkommen: Der Waldkauz ist weit verbreitet von Europa bis Asien. Er bewohnt hauptsächlich gut strukturierte Landschaften mit Gebüschen und Baumgruppen. Trotz seines Namens ist er nicht notwendigerweise auf Wälder angewiesen.

Waldohreule (Asio otus)

Die Waldohreule sieht dem Waldkauz ähnlich, besitzt allerdings Federohren und ist schlanker. Sie bewohnt ähnliche Habitate.

Waldohreule hört man als Nachtsinger
  • Aussehen: Weibchen kontrastreich rostbraun, gelbbraun und schwarz, Männchen insgesamt heller, Augen orangerot
  • Ernährung: hauptsächlich Mäuse, jagt auch Singvögel
  • Stimme: Besonders am frühen Abend ist der dumpfe Ruf des Männchens im Revier hörbar, der einem «Huh» gleicht. Er wird laufend wiederholt und zieht sich bis in die Nacht hinein.
  • Vorkommen: Die Waldohreule ist in Europa, Asien, in Gebirgen Afrikas und in Kanada bzw. den USA beheimatet. Sie nistet häufig in Nadelbäumen, in denen sich alte Krähen- oder Elsternester befinden.

Stadtvögel

Besonders Singvögel, die sich an das Leben in Menschennähe angepasst haben und in Städten brüten, können wegen der hellen Beleuchtung dazu neigen, in der Nacht ihre Gesänge hören zu lassen. Dazu zählen:

  • Amseln
  • Drosseln
  • Sperlinge
  • Meisen
  • Mauersegler

Verwechslungsgefahr Spitzmaus

Spitzmäuse verständigen sich durch Zwitscherlaute, die dem Gesang einiger Singvögel sehr ähneln. Da sie außerdem nachtaktiv sind, können sie leicht mit einem Nachtsinger verwechselt werden.

Spitzmaus wird häufig mit einem Nachtsinger verwechselt

Häufig gestellte Fragen

Wie kann man Vögel nachts beobachten?

Singvögel oder Eulen nachts zu beobachten ist nicht einfach, weil sie auf jegliche Störung empfindlich reagieren. Eventuell hilft ein Nachtsichtgerät. Eulen und Kauze sind auch als Schatten, die zwischen Bäumen und Sträuchern entlang fliegen sichtbar. Allerdings lassen sie sich dabei nur schwer bestimmen.

Warum singen Vögel in der Nacht?

Der hauptsächliche Grund ist die Verständigung untereinander. Außerdem markieren Singvögel mit ihrem Gesang ihr Revier. Manchmal sind nachts auch Warnrufe bestimmter Vogelarten hörbar. Ein weiterer Grund ist die Paarbildung, dann singen nur unverpaarte Männchen nachts.

Wo leben Nachtsinger?

Eulen leben hauptsächlich in Wäldern oder zumindest in deren Nähe, kommen aber auch in baumreiche Gärten, wo sie tagsüber beinahe unsichtbar hoch oben in den Baumkronen ruhen. Nachtaktive Singvögel leben meist in Hecken oder Gärten mit reichen Baum- oder Strauchbestand.