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Lavendel und Lavendelöl gegen Wespen: hilft es wirklich?

Lavendel/Lavendelöl gegen Wespen

Wespen gehören zu den typischen Gästen im Spätsommer. Sie werden angezogen von Speisen aller Art und kommen den Menschen dabei ganz nahe. Die Angst vor einem Stich ist dabei immer präsent und häufig mit dem Wunsch verbunden, die Insekten zu töten und deren Nest zu räumen. Auf der Suche nach einem geeigneten Hausmittel gegen die Flügeltiere stoßen viele Menschen auf Lavendel. Doch hilft die beliebte Pflanze mit dem ätherischen Lavendelöl gegen Wespen?

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Inhaltsstoffe in Lavendel

Die Frage, ob Lavendel oder dessen ätherisches Öl Wespen vertreiben kann, muss anhand der Inhaltsstoffe der am beliebtesten Lavendelarten geklärt werden. Diese sind:

  • Echter Lavendel (bot. Lavandula angustifolia)
  • Wolliger Lavendel (bot. Lavandula lanata)
  • Breitblättriger oder Speik-Lavendel (bot. Lavandula latifolia)
  • Französischer Lavendel (bot. Lavandula dentata)
  • Schopf-Lavendel (bot. Lavandula stoechas)
Lavendel (Lavandula angustifolia)
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)

Gerade Lavandula angustifolia und Lavandula latifolia verfügen über die höchste Konzentration an Inhaltsstoffen, was am intensiven Duft der Pflanzen zu bemerken ist. Aus diesem Grund werden sie gerne als Duftkraut angeboten, das sich perfekt auf dem Balkon oder im Garten macht.

Die Inhaltsstoffe im Überblick:

  1. Bei Linalylacetat handelt es sich um einen Monoterpenoid-Ester, genauer um einen Aromastoff, der als einer der Hauptkomponenten für den charakteristischen Duft des Lavendels zuständig ist. Die Flüssigkeit hat keine Farbe, dafür einen deutlich vernehmbaren Geruch, der süß und frisch ist. Er erinnert sofort an Lavendel, wenn auch nicht komplett, da es nur ein Bestandteil des Aromas ist. Es kommt in zahlreichen anderen ätherischen Ölen vor, zum Beispiel bei Bergamottenöl, und ein wichtiger Bestandteil der Parfümindustrie. Es ist nicht giftig, dafür ideal, um Wespen abzuschrecken.
  2. Linalool wird von Lavendel als Alkohol hergestellt, genauer acyclische Monoterpene, die ebenfalls für einen bestimmten Aspekt des Aromas verantwortlich sind. Im Gegensatz zur Frische des Linalylacetat sorgt Linalool für einen äußerst blumigen Duft, der sich ebenfalls im Aroma von Lavendel bemerken lässt. Wie Linalylacetat kommt es in anderen Pflanzen vor, dort aber vermehrt in Kräutern wie Koriander, schwarzem Pfeffer und Pflanzen mit einem herben Geschmack wie Muskat oder Hopfen. Wenn es als Ester auftritt, ist es ein wichtiger Bestandteil von Weinen und insbesondere der Rebsorte Muskateller. Jedoch ist der Stoff verantwortlich für mögliche allergische Reaktion.
  3. Unter Campher wird ein Monoterpen-Keton verstanden, das in der Arznei verwendet wird, in höhere Dosen aber psychedelisch und sogar toxisch wirkt. Die bekannteste Pflanze, die Campher herstellt, ist der Kampferbaum (bot. Cinnamomum camphora). Die Konzentration von Campher im Lavendel ist nicht hoch genug, um Wirkungen hervorzurufen, doch durch den starken Geruch trauen sich Wespen nicht in die Nähe der Pflanze.
  4. Cineol sind Aromastoffe und treten häufig in Verbindung mit Campher auf und haben ein ähnliches Aroma. Sie sorgen zudem für die Möglichkeit, Lavendel als Arzneipflanze zu benutzen, da es sich positiv auf die Atemwege und die Nase auswirkt. Selbst Asthma und Heuschnupfen können mit Cineol behandelt werden.
  5. Zudem finden sich weitere Stoffe, die als wichtige Bestandteile von ätherischen Ölen gelten. Da das ätherische Lavendelöl das ist, was gegen die Insekten funktionieren soll, ist die Pflanze auf diese Stoffe angewiesen. Sie machen etwa 65 Prozent der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe aus und sind die Grundlage für die Wirkung der Pflanze und Träger für die oben genannten Stoffe.

Zu den wichtigen Stoffen gehören:

  • Terpene: chemische Verbindungen in der Form von sekundären Pflanzenstoffen
  • Oxide: Sauerstoff-Verbindungen in Form von Säuren
  • Ester: chemische Verbindungen, die als Aromastoff funktionieren
  • Ketone: chemische Verbindungen, funktionieren ebenfalls als Aromastoff

Diese Stoffe sind nicht giftig für den Menschen und Insekten, was den Einsatz besonders schonend macht. Sie stören die Tiere nicht mit dem Geruch, sie halten einfach nur Abstand von der Pflanze. Je höher die Konzentration der Trägerstoffe, desto intensiver kann das Aroma sein, was sich natürlich gut auf den Effekt auswirkt, der für das Abschrecken benötigt wird.

Lavendel stört Geruchssinn bei Wespen

Breitblättriger Lavendel (Lavandula latifolia)
Breitblättriger Lavendel (Lavandula latifolia)
Quelle: Alain Bigou, Lavandula latifolia plant (12), Bearbeitet von Plantopedia, CC BY-SA 2.0 FR

Anhand dieser Inhaltsstoffe lässt sich feststellen, dass Wespen die Pflanze meiden, da der Geruch unangenehm auf den empfindlichen Geruchssinn der Tiere wirkt. Jedoch ist das stark abhängig von den einzelnen Arten, denn in Lavandula angustifolia ist die Konzentration fast doppelt so hoch wie in Lavandula dentata. Das können Sie zu Ihrem Vorteil nutzen und hauptsächlich den Echten Lavendel und Speik-Lavendel benutzen, um ein wirksames Mittel gegen Wespen zur Verfügung zu haben. Jedoch reicht die Pflanze allein nicht immer aus, um die Insekten zu vertreiben. Dafür finden sich aber zahlreiche Wege, Lavendel so zu nutzen, dass die Fluginsekten sich fernhalten.

Lavendel kombinieren

Eine der häufigsten Methoden, Wespen fernzuhalten, ist die Kombination verschiedener Kräuter zusammen mit Lavendel. Wespen meiden wie Bienen spezielle Gewächse, deren Geruch sie überhaupt nicht ausstehen können und die Sie nutzen können, um die Wirkung des Lavendels zu verstärken. Das Beste: es handelt sich nicht um Exoten, sondern Pflanzen, die in Deutschland problemlos über den Sommer gehalten werden können. Dazu gehören unter anderem:

  • Rosmarin (bot. Rosmarinus officinalis)
  • Basilikum (bot. Ocimum)
  • Rainfarn (bot. Tanacetum vulgare)
  • Thymian (bot. Thymus)
  • Pfefferminze (bot. Mentha x piperita)
  • Katzenminze (bot. Nepeta cataria)
  • Anis (bot. Pimpinella anisum)
  • Eisenkraut (bot. Verbena officinalis)
Thymian (Thymus vulgaris)
Echter Thymian (Thymus vulgaris)

Der Trick besteht darin, die Lavendelpflanzen zusammen mit den anderen Gewächsen in hoher Zahl anzuwenden. Dadurch liegt ein für den Menschen besonders angenehmer und anregender Duft in der Luft, während die Wespen sich davon fernhalten. Der Vorteil daran ist, dass Sie den Effekt mit jedem Exemplar verstärken können und es so den Insekten schwer machen, sich in Ihre Nähe zu wagen. Zudem helfen die Pflanzen dabei, andere störende Insekten wie Zecken oder sogar Mücken fernzuhalten, was vor allem über den Sommer angenehm ist. Ein mediterraner Garten bietet sich gut für Sie an, wenn Sie Ihren Sommer ohne Fluginsekten erleben wollen.

Tipp: Rainfarn war schon im Mittelalter ein Repellent gegen Wespen. Damals wurden Triebe von der Pflanze abgeschnitten und in das Nest gesteckt, was die Tiere auf Dauer aus ihrem eigenen Zuhause vertrieb.

Lavendelöl anwenden

Anstelle der Pflanze können Sie problemlos Lavendelöl nutzen, um die Insekten aus Ihrem Garten oder den eigenen vier Wänden fernzuhalten. Bei Lavendelöl handelt es sich um das konzentrierte, ätherische Öl der Lavendelpflanzen und am häufigsten werden hierfür die Blüten von Lavandula angustifolia genutzt. Bei der Auswahl eines Öls sollten Sie unbedingt auf die Qualität achten, denn je hochwertiger das Lavendelöl ist, desto intensiver das Aroma und somit die abschreckende Wirkung auf Insekten.

Lavendelöl und getrockneter Lavendel auf Tisch
Lavendelöl

Sie können das Lavendelöl auf zwei Weisen verwenden:

Als Duftlampe

Sie können Duftlampen am gewünschten Standort aufstellen, diese mit Öl füllen und anzünden. Das Lavendelaroma verbreitet sich durch diese Variante noch schneller und da Wespen Rauch in keiner Form aushalten, halten sie besonders viel Abstand. Das Aroma intensiviert sich sogar über die Duftlampe, was zur Abschreckung besonders gut funktioniert. Der einzige Nachteil an dieser Methode ist die Notwendigkeit, das Duftöl immer wieder nachfüllen zu müssen. Daher bietet es sich vor allem für Grillabende oder eine Kaffee mit Kuchen im Garten oder auf der Terrasse an.

Als Spray

Mit einem Lavendel-Spray können Sie problemlos Ecken im Garten und Ihren Wohnräumen von Wespen befreien. Da dieses leicht versprüht werden kann, wirkt es innerhalb von wenigen Augenblicken und kann immer wieder aufgefrischt werden.

Das Spray stellen Sie auf die folgende Weise her:

  1. Füllen Sie einen Messbecher mit klarem Wasser.
  2. Geben Sie nun Lavendelöl hinzu. Einige Tropfen reichen meist bereits aus.
  3. Zusätzlich können Sie auch weitere ätherische Öle hinzugeben.
  4. Rühren Sie die Mischung nun gut um, damit sich die Öle im Wasser verteilen können.
  5. Füllen Sie die Mischung abschließend in eine Sprühflasche.

Sie können die Mischung ganz einfach nachfüllen und somit problemlos über den gesamten Sommer verwenden. Ihren Gartenpflanzen und anderen Insekten schadet das Spray in keiner Weise, wenn Sie ausschließlich ätherische Öle benutzen. Selbst Tieren wird nicht durch das Spray geschadet, was die Nutzung in jedem Moment ermöglicht. Lavendelöl ist vielseitig und je höher die Dosierung, desto effektiver die Wirkung.

Tipp: Falls Sie von einer Wespe gestochen wurden, können Sie das Lavendelöl sogar auf den Stich auftragen und einwirken lassen. Die Wirkstoffe im Öl ziehen in Ihre Haut ein und lindern den Schmerz und Juckreiz des Stichs.

Autor
Mirko ist zwar studierter Anglist, beherrscht aber auch die Sprache der Pflanzen perfekt. Er wuchs quasi im Schrebergarten seiner Großeltern auf und verbringt den Großteil seiner Freizeit in der Natur, wenn er nicht gerade schreibt.
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