Lavendel und Lavendelöl gegen Wespen: hilft es wirklich?

Lavendel, Lavendelöl gegen Wespen

Wespen gehören zu den typischen Gästen im Spätsommer. Sie werden angezogen von Speisen aller Art und kommen den Menschen dabei ganz nahe. Die Angst vor einem Stich ist dabei immer präsent und häufig mit dem Wunsch verbunden, die Insekten zu töten und deren Nest zu räumen. Auf der Suche nach einem geeigneten Hausmittel gegen die Flügeltiere stoßen viele Menschen auf Lavendel. Doch hilft die beliebte Pflanze mit dem ätherischen Lavendelöl?

Inhaltsstoffe

Die Frage, ob Lavendel oder dessen ätherisches Öl Wespen vertreiben kann, muss anhand der Inhaltsstoffe geklärt werden. Vor allem sind hier die fünf Arten zu nennen, die am häufigsten angebaut und angeboten werden.

  • Echter Lavendel (bot. Lavandula angustifolia)
  • Wolliger Lavendel (bot. Lavandula lanata)
  • Großer Speik (bot. Lavandula latifolia)
  • Französischer Lavendel (bot. Lavandula dentata)
  • Schopf-Lavendel (bot. Lavandula stoechas)
Lavendelpflanzen
Lavendelpflanzen

Gerade Lavandula angustifolia und Lavandula latifolia verfügen über die höchste Konzentration an Inhaltsstoffen, was am intensiven Duft der Pflanzen zu bemerken ist. Aus diesem Grund werden sie gerne als Duftkraut angeboten, das sich perfekt auf dem Balkon oder im Garten macht.

Die Inhaltsstoffe im Überblick:

1. Linalylacetat

Bei diesem Stoff handelt es sich um einen Monoterpenoid-Ester, genauer um einen Aromastoff, der als einer der Hauptkomponenten für den charakteristischen Duft des Lavendels zuständig ist. Die Flüssigkeit hat keine Farbe, dafür einen deutlich vernehmbaren Geruch, der süß und frisch ist. Er erinnert sofort an Lavendel, wenn auch nicht komplett, da es nur ein Bestandteil des Aromas ist. Es kommt in zahlreichen anderen ätherischen Ölen vor, zum Beispiel bei Bergamottenöl, und ein wichtiger Bestandteil der Parfümindustrie. Es ist nicht giftig, dafür ideal, um Wespen abzuschrecken.

2. Linalool

Linalool wird von Lavendel als Alkohol hergestellt, genauer acyclische Monoterpene, die ebenfalls für einen bestimmten Aspekt des Aromas verantwortlich sind. Im Gegensatz zur Frische des Linalylacetat sorgt Linalool für einen äußerst blumigen Duft, der sich ebenfalls im Aroma von Lavendel bemerken lässt. Wie Linalylacetat kommt es in anderen Pflanzen vor, dort aber vermehrt in Kräutern wie Koriander, schwarzem Pfeffer und Pflanzen mit einem herben Geschmack wie Muskat oder Hopfen. Wenn es als Ester auftritt, ist es ein wichtiger Bestandteil von Weinen und insbesondere der Rebsorte Muskateller. Jedoch ist der Stoff verantwortlich für mögliche allergische Reaktion.

3. Campher

Unter Campher wird ein Monoterpen-Keton verstanden, das in der Arznei verwendet wird, in höhere Dosen aber psychedelisch und sogar toxisch wirkt. Die bekannteste Pflanze, die Campher herstellt, ist der Kampferbaum (bot. Cinnamomum camphora). Die Konzentration von Campher im Lavendel ist nicht hoch genug, um Wirkungen hervorzurufen, doch durch den starken Geruch trauen sich Wespen nicht in die Nähe der Pflanze.

4. Cineol

Diese Aromastoffe treten häufig in Verbindung mit Campher auf und haben ein ähnliches Aroma. Sie sorgen zudem für die Möglichkeit, Lavandula als Arzneipflanze zu benutzen, da es sich positiv auf die Atemwege und die Nase auswirkt. Selbst Asthma und Heuschnupfen können mit Cineol behandelt werden.

5. Weitere Stoffe

Zudem finden sich weitere Stoffe, die als wichtige Bestandteile von ätherischen Ölen gelten. Da das ätherische Lavendelöl das ist, was gegen die Insekten funktionieren soll, ist die Pflanze auf diese Stoffe angewiesen. Sie machen etwa 65 Prozent der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe aus und sind die Grundlage für die Wirkung der Pflanze und Träger für die oben genannten Stoffe.

Lavendel im Garten
Lavendel im Garten

Zu den wichtigen Stoffen gehören:

  • Terpene: chemische Verbindungen in der Form von sekundären Pflanzenstoffen
  • Oxide: Sauerstoff-Verbindungen in Form von Säuren
  • Ester: chemische Verbindungen, die als Aromastoff funktionieren
  • Ketone: chemische Verbindungen, funktionieren ebenfalls als Aromastoff

Diese Stoffe sind nicht giftig für den Menschen und Insekten, was den Einsatz besonders schonend macht. Sie stören die Tiere nicht mit dem Geruch, sie halten einfach nur Abstand von der Pflanze. Je höher die Konzentration der Trägerstoffe, desto intensiver kann das Aroma sein, was sich natürlich gut auf den Effekt auswirkt, der für das Abschrecken benötigt wird.

Tier-Geruchssinn

Anhand dieser Inhaltsstoffe lässt sich feststellen, dass Wespen die Pflanze meiden, da der Geruch unangenehm auf den empfindlichen Geruchssinn der Tiere wirkt. Jedoch ist das stark abhängig von den einzelnen Arten, denn Lavandula angustifolia ist fast doppelt so hoch in der Konzentration wie Lavandula dentata. Das können Sie zu Ihrem Vorteil nutzen und hauptsächlich den Echten Lavendel und Großen Speik benutzen, um ein wirksames Mittel gegen Wespen zur Verfügung zu haben. Jedoch reicht die Pflanze allein nicht immer aus, um die Insekten zu vertreiben. Dafür finden sich aber zahlreiche Wege, Lavandula-Taxa so zu nutzen, dass die Fluginsekten sich fernhalten.

Wespenkolonie an einem Nest
Wespenkolonie an einem Nest

Kräuter-Kombinationen

Lavandula und andere Kräuter

Eine der häufigsten Methoden, Wespen fernzuhalten, ist die Kombination verschiedener Kräuter und Pflanzen zusammen mit den Lavendelpflanzen. Wespen meiden wie Bienen spezielle Gewächse, deren Geruch sie überhaupt nicht ausstehen können und die Sie nutzen können, um die Wirkung des Lavendels zu verstärken. Das Beste: es handelt sich nicht um Exoten, sondern Pflanzen, die in Deutschland problemlos über den Sommer gehalten werden können.

  • Rosmarin (bot. Rosmarinus officinalis)
  • Basilikum (bot. Ocimum)
  • Rainfarn (bot. Tanacetum vulgare)
  • Thymian (bot. Thymus)
  • Pfefferminze (bot. Mentha piperita)
  • Katzenminze (bot. Nepeta cataria)
  • Anis (bot. Pimpinella anisum)
  • Eisenkraut (bot. Verbena officinalis)

Lavendelpflanzen

Der Trick besteht darin, die Lavendelpflanzen zusammen mit den anderen Gewächsen in hoher Zahl anzuwenden. Dadurch liegt ein für den Menschen besonders angenehmer und anregender Duft in der Luft, während die Wespen sich davon fernhalten. Der Vorteil daran ist, dass Sie den Effekt mit jedem Exemplar verstärken können und es so den Insekten schwer machen, sich in Ihre Nähe zu wagen. Zudem helfen die Pflanzen dabei, andere nervende Insekten wie Zecken oder sogar Mücken fernzuhalten, was vor allem über den Sommer angenehm ist. Ein mediterraner Garten bietet sich gut für Sie an, wenn Sie Ihren Sommer ohne Fluginsekten erleben wollen.

Thymian im Garten
Thymian im Garten

Tipp: Rainfarn war schon im Mittelalter ein Repellent gegen Wespen. Damals wurden Triebe von der Pflanze abgeschnitten und in das Nest gesteckt, was die Tiere auf Dauer aus ihrem eigenen Zuhause vertrieb.

Lavendelöl anwenden

Anstelle der Pflanze können Sie problemlos Lavendelöl nutzen, um die Insekten aus Ihrem Garten oder den eigenen vier Wänden fernzuhalten. Bei Lavendelöl handelt es sich um das konzentrierte, ätherische Öl der Lavendelpflanzen und am häufigsten werden hierfür die Blüten von Lavandula angustifolia genutzt. Bei der Auswahl eines Öls sollten Sie unbedingt auf die Qualität achten, denn je hochwertiger das Lavendelöl ist, desto intensiver das Aroma und somit die abschreckende Wirkung auf Insekten.

Lavendelöl
Lavendelöl

Sie können das Lavendelöl auf zwei Weisen verwenden:

1. Duftlampe

Sie können Duftlampen am gewünschten Standort aufstellen, diese mit Öl füllen und anzünden. Das Lavendelaroma verbreitet sich durch diese Variante noch schneller und da Wespen Rauch in keiner Form aushalten, halten sie besonders viel Abstand. Das Aroma intensiviert sich sogar über die Duftlampe, was zur Abschreckung besonders gut funktioniert. Der einzige Nachteil an dieser Methode ist die Notwendigkeit, das Duftöl immer wieder nachfüllen zu müssen. Daher bietet es sich vor allem für Grillabende oder eine Kaffee mit Kuchen im Garten oder auf der Terrasse an.

2. Spray

Mit einem Lavendel-Spray können Sie problemlos Ecken im Garten und Ihren Wohnräumen von Wespen befreien. Da dieses leicht versprüht werden kann, wirkt es innerhalb von wenigen Augenblicken und kann immer wieder aufgefrischt werden.

Das Spray stellen Sie auf die folgende Weise her:

  • füllen Sie in einen Messbecher klares Wasser
  • nun geben Sie Lavendelöl hinzu; einige Tropfen reichen aus
  • zusätzlich können Sie weitere ätherische Öle hineingeben
  • nun wird die Mischung umgerührt, damit die Öle sich im Wasser gut verteilen können
  • abschließend wird es in eine Sprühflasche gefüllt
Wassersprüher
Wassersprüher

Sie können die Mischung ganz einfach nachfüllen und somit problemlos über den gesamten Sommer verwenden. Ihren Gartenpflanzen und anderen Insekten schadet das Spray in keiner Weise, wenn Sie ausschließlich ätherische Öle benutzen. Selbst Tieren wird nicht durch das Spray geschadet, was die Nutzung in jedem Moment ermöglicht. Lavendelöl ist vielseitig und je höher die Dosierung, desto effektiver die Wirkung.

Tipp: Falls Sie aus Versehen von einer Wespe gestochen wurden, können Sie das Lavendelöl sogar auf den Stich auftragen und einwirken lassen. Die Wirkstoffe im Öl ziehen in Ihre Haut ein und lindern den Schmerz und Juckreiz des Stichs.

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